Schulleiters Tagebuch

Tag 127 der Baustelle

Da wiederholte sich am Wochenende ein jährlich wiederkehrender und scheinbar wachsender Brauch um Halloween. „Süßes oder Saures!“, erschall es auch des Öfteren an unserer Haustür. Neu waren dagegen die fragenden Worte: „Herr Dumont? Wohnen Sie hier?“. In drei umherziehenden Gruppen liefen in diesem Jahr Schüler/-innen mit und waren offensichtlich verblüfft, mich anzutreffen. Der Schreck wird sich bei ihnen hoffentlich in Grenzen gehalten haben. Da stehen Kinder vor dem Tor, gruselig geschminkt, um Schrecken hervorzurufen und stattdessen fährt dieser ihnen beim Anblick ihres Schulleiters in die Glieder. Passt aber dann doch wieder in diesen verrückten (und kommerziell bestens verbreiteten) Brauch vor Allerheiligen.

Tag 123 der Baustelle

Gestern war das Sekretariat nicht besetzt, Fortbildung und Überstundenabbau waren der Grund für den verwaisten Raum. Von Interesse ist dies nur deshalb, weil ich wegen der Essensabmeldungen den Anrufbeantworter abhören sollte und dazu am Telefon saß. „Ich bringe den Bausprinter. Können Sie in fünf Minuten die Einfahrt freimachen?“ Bausprinter? Nie gehört. Und wie passen die beiden Worte bei meinen Erfahrungen zusammen: Bau und Sprinter? Und Tag der Berufsorientierung ist doch erst morgen? Nach und nach klärte sich alles auf: Der Bausprinter ist ein Kastenwagen und stellt, reichlich bestückt, Berufe am Bau vor. Sogar ein Simulator für Baggerbewegungen hat er dabei. Wer will, kann sich da hineinsetzen und die Bewegungen eines Baggers simulieren, wobei das ganze Gehäuse schwankt, wie eben bei einem echten Bagger. Am morgigen Tag war er bereits belegt, sodass er einen Tag früher gebucht wurde. Besser so als gar nicht...

Tag 121 der Baustelle

Wie ich verschiedentlich hörte, wird das Labyrinth in Deidesheim gut angenommen. Bald wird aber niemand mehr wissen, mit welch einem faszinierenden Projekt es entstanden ist. Daher planten wir ein Hinweisschild oder eine Tafel mit Hinweisen auf das Labyrinth im Allgemeinen und auf das Projekt im Besonderen. Heute begutachteten wir einen ersten Entwurf, sprachen über die Farbgestaltung, änderten den Text ein wenig und überlegten, welche Möglichkeiten der Finanzierung es gibt. Der Entwurf gefiel mir insgesamt gut und ich freue mich darauf, ihn als Hinweisschild umgesetzt, betrachten zu dürfen.

Tag 120 der Baustelle

Zwei Assemblys waren heute in Wachenheim geplant. Ich wusste aber gar nicht, was auf dem Programm stand, als mich die Krankmeldung des Stufenleiters erreichte. So einfach auf die Schnelle zwei Assemblys aus dem Hut zaubern konnte ich auch nicht. Freilich hätte ich sie mit Themen wie Halloween und Allerheiligen, vielleicht auch mit...

 

Tag 116 der Baustelle

Ich stellte mir heute die Frage: Soll ich die Tage der Baustelle kontinuierlich durchzählen oder nur die Tage mit einbeziehen, an denen etwas am Bau geschieht? Derzeit läuft nämlich gar nichts, außer dass sich der ehemalige Kriechkeller langsam mit Wasser füllt. Das wird wohl auch noch einige Zeit so bleiben, denn noch höre ich nichts vom Start des Rohbaus.

Die Errichtung des Labyrinths ist immer noch nicht abgerechnet. Ich konnte bisher den Zuschuss von der Stiftung des Landkreises nicht beantragen, da mir Rechnungen und Belege fehlten. Heute war es nun soweit.

Tag 114 der Baustelle

Es gab während meiner Zeit in Funktionsstellen immer wieder Anträge auf Befreiungen, durch welche sich Schülerinnen und Schüler einen Auslandsaufenthalt ermöglichten. Die Zahl allerdings nimmt zu und heute waren gleich drei auf einmal bei mir, die ein solches Jahr vor sich haben. Kaum etwas bereichert die Entwicklung eines jungen Menschen einschneidender als solch ein Jahr in fremden Landen, bei fremden Familien und fremden Schulen und deren Systeme.

Tag 110 der Baustelle:

Zehntausend Euro sind für die Neuausstattung des Wachenheimer Computerraumes längst beantragt und genehmigt. Die knapp zehn Jahre alten Geräte kommen bei den gewachsenen digitalen Ansprüchen nicht mehr mit. Bereits das Hochfahren beansprucht immer mehr Zeit. Heute fand ich also Zeit, über neue Geräte zu beraten und einen Kostenvoranschlag einzuholen. Parallel dazu wurden in Deidesheim während der Herbstferien die restlichen Computer in den Teamräumen und an den interaktiven Tafeln auf Windows 10 umgesattelt. Auch diese Packen das neue Betriebssysteme nicht mehr. Diese Kosten sind bisher aber nirgendwo abgebildet und es bleibt meinem Geschick überlassen, irgendwo Geld dafür abzuzweigen oder aufzutreiben. Gleichzeitig hatte eine Schülerin am Wettbewerb einer Plattform mit Lernvideos teilgenommen, die bereits jetzt von einigen Lehrkräften genutzt werden sollen. Sie hat einen Besuch der beiden Filmer an der Schule gewonnen. Auch das gilt es jetzt zu organisieren. Unser außerschulischer Administrator war eigens an die Schule gekommen. Beiläufig fragte er, ob wir angesichts der Baugrube, die derzeit einiges an Wasser enthält, an die Einrichtung eines Pools dächten und ob das die richtige Jahreszeit dafür wäre. So geht man mit Humor mit einer in sich ruhenden Baustelle um!

Gestern Abend tagte der Schulelternbeirat ...

 

 Tag 108 der Baustelle:

Donnerwetter, da ist ein ganz schöner Hype in der Schülervertretung! Heute Morgen waren die beiden Schülersprecher bei mir und berichteten von der SV-Tagung, von neuen Arbeitskreisen, von weiteren Vorhaben-Chapeau, meine Lieben! Wenn das anhält, können wir uns sehen lassen. Wobei das anscheinend jetzt schon der Fall ist. Einer der beiden hatte in den Herbstferien noch eine Fortbildung zum SV-Berater absolviert und berichtet, wie stolz er auf unsere Schule sei, er hätte da von Schulen Dinge gehört, die bei uns gar kein Thema seien, weil so Vieles von Schülerseite bereits angestoßen sei und laufe.

Tag 106 der Baustelle:

Schulbeginn an beiden Standorten bedeutet immer Post, Post, Post. Erstaunlich, wie viel Papier sich da innerhalb von zwei Wochen ansammelt. Wenn ich mir allein die eingegangene Werbung dabei anschaue, kommt mir der Regenwald in die Gedanken. Was könnte da nicht an Papier einspart werden! Und einige Umschläge erkannte ich vom jeweils anderen Standort, weil wir auch noch doppelt beliefert werden.

Gleich am ersten Schultag war ich in den Bauausschuss des Kreises geladen, denn der erste Tagesordnungspunkt befasste sich mit dem aktuellen Stand der Baumaßnahme „IGS Deidesheim/Wachenheim“, da sollte der Schulleiter dabei sein. Es war schön zu erleben, wie Architekten und ich uns die Bälle zuspielen konnten. Ich glaube, das hinterließ eine besondere Note, vor allem, weil wir es auch nicht an Humor fehlen ließen. Allerdings fiel angesichts der Fertigstellung in zwei/drei Jahren wieder der Satz: „Herr Dumont wird das Ende der Maßnahmen nicht im Dienst erleben. Wir arbeiten da an einer Verlängerung!“ Aktuell herrscht nun wieder Ruhe auf der Baustelle, denn der Baubeginn verschiebt sich auf „Anfang 2020“, Ende des Zitates. Wer hatte auch geglaubt, dass es keine weiteren Verzögerungen geben wird…

Tag 101 der Baustelle:

Beim heutigen Besuch der Schule sah ich: alles gut, die Mauer ist wieder ausgebessert, die vom Bagger gerissenen Löcher wieder zugemauert. Seltsamerweise sind aber die Türen für den Durchgang in den hinteren Hof, der eigentlich erst bei der Einrichtung der Baustelle vorne geöffnet werden sollte, bereits ausgehängt und die Wasserrohre sind frostgeschützt verputzt. Hmm, das wird wieder einer zusätzlichen Pausenregelung bedürfen.

Vom Standort Wachenheim hörte ich ebenfalls seltsame Dinge. Dort war der Kampfmittelräumdienst großflächig tätig mit gepanzertem Bagger und Metallsucher. Zwar war mir bekannt, dass die Sportanlage hinter dem Schulgebäude erneuert werden sollte, aber niemand hatte mir über diese Maßnahmen informiert. Die Anwohner scheinen auch nicht informiert gewesen zu sein, denn sie fragten beim Ordnungsamt nach, was da quasi in ihren Vorgärten passiere, ob sie denn auch evakuiert werden müssten. Auch das Ordnungsamt „fiel aus allen Wolken“ und eine Vertreterin machte sich gleich auf den Weg. Als Erklärung stellte sich heraus, dass es eine neue Vorschrift gibt, die bei allen Bodenarbeiten eine Prüfung hinsichtlich Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg vorschreibt. Der Hintergrund hierfür ist plausibel: Bisher enthielten die Gewinde der Zünder immer noch ausreichend Schmierstoffe, so dass sie, mehr oder weniger problemlos, entfernt werden konnte. Durch die langen Jahre und die fortschreitende Korrosion verschwänden diese Schmierstoffe immer mehr und künftig könnten gefundene Bomben nur noch vor Ort und kontrolliert gesprengt werden. Welch ein Aufwand muss da jetzt betrieben werden, wobei die Schule ja in den sechziger Jahren gebaut wurde, so dass damals schon „viel Boden“ bewegt wurde und sicherlich tiefgreifender als bei der Sanierung der Sportanlagen. Doch Vorschrift ist Vorschrift. Viel Aufregung also und gefunden wurde nichts. Allerdings ähnelt das bisher mit Gras bewachsene Gelände hinter der Schule derzeit eher einer Kraterlandschaft.

Sonst herrschte Ruhe während der Ferien. Lediglich eine Scheibe wurde am Standort Deidesheim zum Alla-hopp-Platz eingeschlagen. Aber kein Einbruch, lediglich, aber das reicht auch aus, Vandalismus. Wieder ist ein Fenster mit einer Holzplatte verschlossen.

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Die bisher erschienen Tagebücher sind erhältlich im: www.littera-verlag.de/Bücher
(Das Autorenhonorar kommt dem Förderverein der IGS zu Gute.)

Tagebuch 5 Soeben erschienen:
„Schulleiters Tagebuch 5,
Warten auf den Bau“
2017 – 2019

Tagebuch 5 „Letztens –
Schulleiters Tagebuch ergänzende Kolumnen“

tagebuch_4_ "Schulleiters Tagebuch 4,
Der Weg zum Abitur
2014 - 2017"

Tagebuch 1-3"Deshalb IGS -
Positionen und Hintergründe zur Integrierten Gesamtschule mit Beiträgen aus Schulleiters Tagebuch 1 bis 3"

Tagebuch 3 "Schulleiters Tagebuch 3,
Die ersten Abschlüsse,
2012 - 2014"

Tagebuch 2 "Schulleiters Tagebuch 2,
Der Start in Deidesheim,
2010 - 2012"

Tagebuch 1 "Schulleiters Tagebuch,
Der Start in Wachenheim,
2010 - 2012"