Schulleiters Tagebuch

Dienstag, 02. März 2021


Tag 601 der Baustelle

Heute musste ich einen Tag mit Daheimbüro (wenn ich Homeoffice mal wörtlich übersetze) einlegen. So konnte ich die Dienstbesprechung der Schulaufsicht Neustadt Team Mitte ruhig von zu Hause aus miterleben. Seit zwei Tagen wissen wir ja, dass die Schule für die Jahrgänge 5 und 6 ab Montag ihren Betreib im Wechselunterricht wiederaufnimmt. Und das setzt eine Menge an Tätigkeiten in Kraft. Wie organisieren wir das Ganze jetzt? Stimmen die Papiere des Szenario II zwei noch, die wir im vergangenen Jahr für diesen Fall erstellt haben? Zumindest müssen wir die Begriffe Schulbox durch IServ ersetzen, denn die Plattform hatten wir im letzten Jahr noch nicht. Außerdem bietet sie mehr Möglichkeiten als die Schulbox. Wie ist das mit den Rückmeldezeiten? Dass wir den Wechsel wöchentlich

vornehmen, hatten wir bereits beschlossen, denn alles andere macht bei uns keinen Sinn. Wir berufen uns dabei auf die Ministerin, die den Wechselunterricht auch im täglichen Wechsel vorstellte. Die Entscheidung treffen aber die Schulen selbst, weil sie die Situation vor Ort am besten einschätzen können. Die Schulaufsicht stellte heute in Konferenz nochmal klar, dass es nicht um den Wechsel von Vormittag und Nachmittag handeln kann, denn auch die Arbeitszeit der Lehrkräfte ist an Zeiten gebunden und kann nicht einfach verdoppelt werden. Unsere Tutoren haben ihre Klassen bereits in A- und B-Gruppen mit maximal 15 Lernenden eingeteilt. Ebenfalls wurde heute verkündet, dass der Gruppenbezug in Zeiten von Corona nicht die Klasse darstellt, sondern der Jahrgang. Daraus folge, dass Religionsunterricht und die Wahlpflichtfächer, die ja über den Jahrgang gemischt sind, stattfinden. Hurtig machten wir uns aber daran, die Gruppen zu überprüfen, ob nicht durch Zufall eine der genannten Gruppen über 15, 16 Schülerinnen und Schüler verfügt. Das könnte ja, je nach Klassenzusammensetzung durchaus sein. Die Ausdrucke aus dem Verwaltungsprogramm zeigten aber: Kein Problem, bis auf einen Wahlpflichtfach passt die Gruppengröße zu den Bedingungen des Ministeriums. Und diese eine Gruppe können die Tutorinnen durch eine Umbesetzung „regelgerecht“ hinbekommen.

Auch die Abiturprüfung stand im Fokus der Videokonferenz. Die mündlichen Prüfungen sollen wie geplant stattfinden, natürlich mit festen Regeln: Es sollen so wenig Personen wie möglich anwesend sein, die Prüfungen selbst minimal besetzen, was bedeutet: außer dem Prüfling sind nur Prüfer, Protokollant und Vorsitz im Raum. Alle Tische sind nach jeder Prüfung zu desinfizieren, der Raum ist gut zu lüften und die Geprüften verlassen unmittelbar nach ihrer Prüfung das Schulgelände. Aber das alles hatten wir im vergangenen Jahr schon so durchgeführt. Ich bedaure diese Regelungen, denn das mündliche Abitur bringt immer eine ganz eigene Atmosphäre in die Schule, die sich bei diesen engen Eckdaten nicht recht einstellen will. Ist jetzt eben so. Auf jeden Fall erhalten die Abiturienten ihre völlig reguläre Allgemeine Hochschulreife ohne Abstriche, das zählt letzten Endes.

Allerdings sind nach wie vor alle schulischen Veranstaltungen abzusagen – die Angst vor den Virus-Mutationen bestimmt das Handeln. Die Absage betrifft natürlich auch die Betriebspraktika, vor allem in Jahrgang 8. Allerdings dort, wo die Betriebe an den bereits ausgemachten Terminen ihr Praktikanten und Praktikantinnen trotz Corona aufnehmen würden, könne diese freiwillig durchgeführt werden. Allerdings müssen sie dann vom Schulleiter für die betreffende Zeit freigestellt werden. Natürlich handhabe ich das großzügig, denn oft sind es genau diese Praktika, die einen Schlüssel ins künftige Berufsleben parat haben. In einem Fall, es handelte sich um das Praktikum in einer Tierarztpraxis mit der Möglichkeit, sogar an kleinen Operationen teilnehmen zu dürfen, ist ein letztes Mal ei Praktikum möglich. Die Praxis schließt im Sommer. Wie sollte ich mich hier dagegen entscheiden?


Die bisher erschienen Bücher sind erhältlich im: www.littera-verlag.de/Bücher
(Das Autorenhonorar kommt dem Förderverein der IGS zu Gute.)

Letztens 2 Soeben erschienen:
„Letztens 2 - ,
Erlebtes rund um die Schule“
2020

Tagebuch 5
„Schulleiters Tagebuch 5,
Warten auf den Bau“
2017 – 2019

Letztens 1 „Letztens –
Schulleiters Tagebuch ergänzende Kolumnen“

tagebuch_4_ "Schulleiters Tagebuch 4,
Der Weg zum Abitur
2014 - 2017"

Tagebuch 1-3"Deshalb IGS -
Positionen und Hintergründe zur Integrierten Gesamtschule mit Beiträgen aus Schulleiters Tagebuch 1 bis 3"

Tagebuch 3 "Schulleiters Tagebuch 3,
Die ersten Abschlüsse,
2012 - 2014"

Tagebuch 2 "Schulleiters Tagebuch 2,
Der Start in Deidesheim,
2010 - 2012"

Tagebuch 1 "Schulleiters Tagebuch,
Der Start in Wachenheim,
2010 - 2012"