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Juni 2019

 

Freitag, 28. Juni 2019:

Etwas früher als sonst war ich im Büro und ließ Drucker und Kopierer heiß laufen, denn der Elternbrief sollte ja in entsprechender Anzahl jede Familie erreichen.

Pünktlich um acht Uhr startete die Räumungsaktion im Gebäudeteil, der abgerissen wird. Es handelt sich immerhin um sechs Klassenzimmer, die komplett leer sein müssen. Wir hatten für jedes eine halbe Stunde eingeplant und da das niemand übers Wochenende leisten würde, baten wir die Klassen, die helfend ihren Raum leeren sollten. Den längsten Weg hatten dabei die beiden Klassen im zweiten Obergeschoss, deshalb sollten die auch beginnen und alle Stühle und Tische in die bereitgestellten Überseecontainer bringen. Da einer der beiden Hausmeister noch in Wachenheim benötigt wurde, um dort die Bühne für die Entlassfeier der Viertklässler aufzubauen, sprang ich ein und postierte mich oben, der zweite Hausmeister nahm die Kids mit ihren Möbeln vor den Containern in Empfang. Das war eine tolle Stimmung und die „Karawane“ an tragenden Jugendlichen meisterte die Aufgabe mit Bravour und vor allem mit viel Humor. Sie ließen es sich sogar nicht nehmen, die schweren Pulte herunter zu schleppen, die wir eigentlich mit dem Aufzug transportieren wollten. Die ganze Räumung ging so sehr diszipliniert vonstatten, dass ich nur staunen konnte. Immerhin hatten die Kids nun eine „tragende Rolle“ an ihrer Schule, konnten sich bewegen und beweisen und mussten nicht auf den Sitzflächen der Stühle am letzten Schultag hin und her rutschen. Sage und schreibe waren wir bereits lange vor der Zeit um 9.05 Uhr fertig, von wegen eine halbe Stunde für jeden Raum! Ein ganz irres Erlebnis! Soviel Gelassenheit, Ruhe, Freundlichkeit und Engagement – sage da noch einmal jemand, mit der „heutigen Jugend sei nichts anzufangen“!

Was machen Klassen eigentlich in der Schule, wenn sie keinen Klassenraum mehr haben? Sie sitzen belustigt auf Bierbänken im sonnigen Schulhof und dürfen dann noch früher als sonst nach Hause und in die Ferien! Besondere Vorkommnisse bedürfen besonderer Maßnahmen. Vielleicht trug diese Einsicht zum reibungslosen und schnellen Ablauf bei, mag sein. 

Anschließend ging ich durch die leeren Räume, in denen sich in der malenden Abschiedsaktion die Schülerinnen und Schüler vom „ollen Gebäude“ verabschieden wollten. Naja, ich hatte mir mehr darunter vorgestellt und der eine oder andere Spruch unter der Gürtellinie hat den Weg an die Wand gefunden. Schade, aber die Aktion an sich war dennoch eine schöne Idee.

Und schon wurde das eine oder andere Zeugnis neu gedruckt, weil sich doch ein Fehler eingeschlichen hatte oder das Datum vergessen wurde. Also: neu unterschreieben. Und dann wurde es doch recht schnell ruhig und die verdienten Sommerferien hielten in das Gebäude Einzug. Wenn die Kids wiederkommen, wird es einen Teil des Gebäudes nicht mehr geben, denn das Warten auf den Bau hat ein Ende! Jetzt geht es wirklich los und die Baustelle wird uns zwei, drei Jahre begleiten, bevor wir (oder ihr ohne mich?) dann ein fast komplett neues Gebäude beziehen können.

 

Donnerstag, 27. Juni 2019:

Die angelieferten Containerteile stehen nun in Reih und Glied platzsparend im hinteren Teil des Schulhofes. Sie sollen heute nach und nach an die richtige Stelle hochgehievt, ausgerichtet und miteinander verschweißt werden. Dann stimmt die Zusage doch, dass die sechs neuen Klassencontainer bis zu den Ferien da sind. Aber leider sind sie noch nicht bezugsfertig. Der komplette Innenausbau fehlt noch.

Nach der vierten (Kurz)Stunde hatten wir zu einer Dienstbesprechung geladen. Zum einen gab eine Reihe von organisatorischen Punkten zum Bau, zu den Containern und zur Unterrichtsverteilung im kommenden Jahr zu sagen, zum anderen aber auch vier Kollegen (keine –innen) zu verabschieden. Eine Pensionierung, eine erfolgreiche Bewerbung und zwei Versetzungen auf eigenen Wunsch gab es zu vollziehen. Bisher kenne ich Pensionierungen so, dass der Dienststellenleiter zum Abschied eine Würdigung ausspricht und dazu auch den Dienstweg skizziert. Hauptquelle hierzu ist die Personalakte. Eigentlich ist sie gar keine und eigentlich darf sie auch nicht an der Schule existieren, sondern nur bei der Schulaufsicht in Trier. Und dennoch gibt es an jeder Schule einen – ich nenne es mal „personenbezogenen Aktendeckel“, in welchem alle Daten und Schreiben versammelt sind. Diesen schaute ich mir für meine Rede durch und stieß auf ein fast historisch zu nennendes Konvolut. Da sind auf bereits angegilbtem Papier noch alte Begriffe zu finden wie Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz und Hauptschule, da ist ein Schreiben abgelegt, das als Durchschlag noch mit Kohlepapier erstellt wurde und damit vor die Zeit der schnellen Kopie hineinreicht, und es ist dem Dienstweg zu entnehmen, dies sei allen ungeduldigen Junglehrern ans Herz gelegt, dass der Betreffende neun (!) Jahre auf seine erste Stelle warten musste! Das alles mit etwas Humor verpackt, trug zu einer schönen Stimmung bei. Und doch flossen Tränen des Abschiedes und der Wehmut. Wir starteten auch eine Abschiedsgeschenk-Kultur: Jede/r, der geht, wird an neuer Wirkungsstätte Kaffee (oder Tee) trinken. Ab heute erhalten alle uns Verlassenden eine IGS-Tasse mit dem Schullogo, die ich herstellen ließ und die es nur bei uns geben wird.

Das anschließende gelungene Grillfest auf dem Schulhof – wo ab Montag die Baustelle Einzug hält – kam dem Kollegium sehr entgegen. Wir glauben alle, dass wir keinen Bedarf an einem sozialen Tag haben, an dem eine eigens anberaumte und doch nicht bei allen ersehnte Besichtigung geplant ist oder eine besondere Weinprobe oder eine Wanderung, die sich dann doch in Grüppchen zersplittert. Was das Kollegium am meisten möchte, ist gemeinsam in Ruhe zusammensitzen und klönen. Dazu war die Atmosphäre und eine ausreichende Zahl an Grillstellen, Salaten und Getränken vorhanden. Ganz prima! Bevor ich mich selbst dazu gesellen konnte, mussten wir noch Fragen zur bekanntgegebenen, aber immer noch vorläufigen Unterrichtsverteilung klären und ich habe noch zwei Dienstliche Beurteilungen eröffnet und nach Trier versandt, damit die Verbeamtung auf Lebenszeit nach den Ferien pünktlich vollzogen werden kann. Ich wollte und musste noch den Elternbrief schreiben, der morgen mit den Zeugnissen ausgegeben werden sollte. Schließlich wollte ich den Eltern den Baubeginn auch offiziell mitteilen und darüber hinaus gibt es dadurch erhebliche Veränderungen und jeder sollte wissen, welchen Raum respektive welchen Container er oder sie am ersten Schultag ansteuern muss.

 

Mittwoch, 26. Juni 2019:

Da standen einige Tieflader (oder Sattelschlepper?) in der Oberhettinger-Straße und hatten die letzten Containerteile geladen. Allerdings waren das so lange Fahrzeuge, dass sie die Kurve in den Schulhof nicht „packten“. Also musste der riesige Autokran, der seit gestern die bisher gelieferten Teile auf die schon vorhandenen hievte, in die Einfahrt bugsiert werden. Von dort konnte er mit seinem langen Teleskoparm die Teile hoch in der Luft über alles hinweghieven und zwischenlagern. Dann wurde er wieder in den Hof versetzt und musste alle Teile erneut anhängen und an die vorgesehenen Stellen heben. Was das eine Zeit kostet und überall sind Schülergruppen an schattigen Plätzen verstreut, weil das Gebäude so aufgeheizt ist.

„Dürfen wir ein Abschiedshappening in den Räumen, die abgerissen werden, veranstalten? Wir wollen mit Gemälden und Graffitis das olle Schulgebäude verabschieden?“, so war eine Anfrage formuliert, die mich als Mail eines Kollegen erreichte. Eigentlich eine tolle Idee, die mir gleich gefiel, so dass ich zustimmte.

Zwischendrin die Nachricht: Ein Gullideckel auf dem Hof hat dem Gewicht des Autokrans nicht standgehalten und ist zerborsten. Da fällt mir die Zisterne auf der anderen Seite ein. Auch sie wurde ja hinsichtlich der Belastbarkeit geprüft. Der Bauhof hatte allerdings keinen Ersatzdeckel, so dass einer der Arbeiter in einen Baustoffmarkt fuhr und einen Ersatzdeckel besorgte. Dennoch heißt es aufpassen! Stabiler ist der neue Deckel auch nicht. Spannende Zeiten hier. Während die Tieflader bereits auf dem Rückweg waren, ging das Rangieren auf dem Schulhof weiter. Gott sei Dank war zu diesem Zeitpunkt die gesamte Schülerschaft wegen der Kurzstunden im Schwimmbad oder zumindest nicht mehr auf dem Schulhof! Der ist ja noch gar nicht als Baustelle eingerichtet und doch geht es dort genauso zu!

 

Dienstag, 25. Juni 2019:

Da weiß ich nicht, wie mir geschieht. Ich erhielt heute eine Mail der Neustadter Redaktion der Tageszeitung, in der nach einer Einleitung steht:

„Es handelt sich um den Turmschreiber Andreas Maier, dessen Werk Sie, wenn mich mein Eindruck nicht trügt, wesentlich besser kennen, als die meisten hier in der Region – mich selbst eingeschlossen. Ich hatte mir deshalb überlegt, ob Sie sich vorstellen könnten, einen Gastbeitrag über ihn für uns zu verfassen?“

Nach kurzer Überlegung und Nachfrage über die Länge und Rahmenbedingungen des gewünschten Gastbeitrages, sagte ich zu, bis zum 16. Juli zu liefern, maximal 9000 Zeichen und 280 Zeilen. Eine Idee zum Einstieg habe ich schon. Aber wie in einem Beitrag dieser „Kürze“ ein Werk von insgesamt 15 Büchern vorstellen und darin Informationen verpacken und Lust zur weiteren Beschäftigung verpacken?

Abends nach 21 Uhr erhielt ich noch eine Mail, dieses Mal vom Schülersprecher. Er bat mich darin, das für morgen geplante Assembly in Deidesheim abzusagen. Durch die Feiertage hätte das Assembly-Team der Schülervertretung auf nicht lösbare Probleme in der Vorbereitung. Auch gut, denn die Kurzstunden hätten die Versammlung eh auf 30 Minuten gekürzt und dafür wäre der Aufwand doch sehr hoch. Letzte Schulwoche eben. Auch der Sporttag wird sich den heißen Temperaturen anpassen müssen.

 

Montag, 24. Juni 2019:

Mann, ist das heiß, da kann es doch nur Kurzstunden wie im vergangenen Jahr geben, Ich habe sie gleich für die ganze Woche ausgerufen, denn es wird wohl aller Vorhersagen nach so bleiben. Welchen Respekt spüre ich da in mir für die Arbeiter draußen im Hof, die bei dieser Hitze auch noch auf dem Dach der Matallcontainer arbeiten müssen: Beim Backofen heißt das wohl Ober und Unterhitze! Täglich werden neue Containerteile angeliefert. Die „Karawane“ setzt sich irgendwo im Osten der Republik mitten in der Nacht in Bewegung, damit sie morgens früh hier ankommt. Dann wird mit einem Kran abgeladen. Die leeren Wagen machen sich direkt auf den Rückweg. Dazwischen stehen sie im Hof, zum Teil mit drei vier Anhängern, so dass die Pause fast zum Slalomlauf um LKWs wird. Freilich hängt während der Pause Container am Kran und es herrscht „Arbeitsruhe“. Bei einigen der bisherigen Container ist das abschließende Dach bereits entfernt und die Arbeiter räumen, mit nackten Oberkörpern und schweißüberströmt, das Dämmmaterial weg. Unvorstellbar, das muss doch furchtbar jucken! Hört also alle auf zu jammern und schaut euch diese Männer und deren Arbeitsbedingungen an! „Schön, dass Sie die Bausituation auch noch pädagogisch nutzen!“, meinte der Architekt dazu, als ich ihm erzählte, welche Zusammenhänge ich für die Kids herstellte.

 

Sonntag, 23. Juni 2019:

Der Feier- und der Brückentag, brachten erneut etwas Luft, oder Ausfransen, wie man will. Geladen hatten wir heute zur Einweihung des Labyrinths – ein genaz besonderer Anlass für mich, wo ich doch zwischendurch immer wieder zweifelte, ob wir das ganze Projekt wirklich stemmen können. Heute kann ich sagen: Ja, gemeinsam haben wir es geschafft!

Für die kleine Zeremonie hatte das Altenheim einige Stühle aufgestellt, das Labyrinth selbst habe ich mit rotweißem Absperrband „verschlossen“. Niemand sollte vorab da einfach durchlaufen. Der kleine Baucontainer, der bisher die bemalten Steine, Werkzeuge und alles Mögliche barg, wurde zum abgedunkelten Fotoraum, in dem man von außen die über zweihundert entstandenen Fotos auf dem Weg zum fertigen Labyrinth zu sehen waren. Viele Helfer waren der Einladung gefolgt und erhielten nach meiner kurzen Rede, in der es nochmal um den Weg als Lebensweg mit vielen Wendungen ging, als Dank eine Flasche des schuleigenen R-IGS-lings, die Kinder einen Eisgutschein – und dann zerschnitten Vertreter der drei Kooperationspartner das Band wie bei der Einweihung einer neuen Straße. Es einfach nur beeindruckend, wie sich die ersten Schlangen bildeten und das Labyrinth beschritten. Eine ganz herrliche Atmosphäre. Schade, dass ich in ein Pressegespräch am Rande verwickelt wat und nicht mehr Fotos machen konnte. Vor allem sah ich gegen Ende ein kleines Mädchen ganz allein tanzend durch das Labyrinth hüpfen. Das wäre das schönste Foto von heute geworden, das sicherlich auch Gernot Candolini gefallen hätte. So konnte ich leider nur für die Öffentlichkeitsarbeit dienlich sein. Aber wenn ein weiterer Artikel in der Zeitung erscheinen wird, hat das ja auch seinen Wert. Beschwingt und die Pedale gar nicht spürend fuhr ich mit dem Rad nach Hause, machte kurz an dem Maulbeerbaum am jüdischen Friedhof in Wachenheim halt. Beim Essen einiger Maulbeeren, die gerade reif sind, dachte ich: Welch ein Tag und welche bedeutsamen Orte liegen da an meinem Weg!

 

Dienstag, 18. Juni 2019:

An das Labyrinth wurden gestern letzte Hände, bzw. Besen gelegt. Nun ist es also ganz fertig gestellt. Natürlich wollte ich das Werk besichtigen, habe ich doch die Entstehung mitverfolgt. Also fuhr ich vor dem Unterricht hin. Ein ganz wunderbarer Anblick! Ich konnte es nicht lassen, es ein erstes Mal zu begehen. Welch ein Tagesbeginn! Schon vor dem Unterricht bzw. Beginn meiner Arbeitszeit hatte ich schon einmal die Mitte erreicht. Das wäre doch ein gelungener Start in jeden Tag…

Zudem kam mir die Idee, Material für Vertretungsstunden zu erstellen: Hinlaufen – Durchlaufen – Eindrücke sammeln – Material zum Hintergrund des Labyrinths als menschheitliches Symbol. Dann kann am Sonntag ja die Einweihung gebührend begangen werden!

Die Tageszeitung hat angerufen. Vermutlich für das Sommerloch ist eine Serie mit Interviews geplant. Dazu werden nun verschiedene öffentliche Personen gesucht. Ob ich dazu bereit wäre, wollte der Redakteur wissen, er benötige dazu etwa eine halbe Stunde. „Huch - ich und Person der Öffentlichkeit? Aber kommen Sie gerne vorbei!“, war meine Reaktion. Heute war er hier und aus den dreißig Minuten wurden dann fast hundertzwanzig, weil ich es nun mal nicht lassen kann, die Gesamtschule mit ihren Hintergründen zu erläutern, gespickt mit persönlichen Beispielen. Ich bin eben kein Mensch der kurzen Antworten! Nun könnte man aus meinem Wortschwall gut und gerne mehrere Seiten füllen. Keine leichte Aufgabe für den Redakteur, jetzt das für ihn Wichtige herauszufiltern. Er hatte auch eine Fotografin dabei, die ein Bild machen wollte, in welchem der Bezug zur Schule zu sehen ist. Aber wo gibt es in unserem alten Schulgebäude ein solch lohnendes Motiv? Pfiffig in diesem Zusammenhang hätte ich ein Foto mit dem geretteten „De Direkdor“-Bild an meiner Bürotür gefunden. Die Fotografin hat auch deren drei „geschossen“, war aber wohl nicht zufrieden. Also schlug ich ein Bild mit einer der neuen Tassen vor, auf dem das Schul-Logo zu sehen ist. Gute Idee, meinte sie. Aber das die Tasse keinen Kaffee enthielt, sieht es wohl recht gestellt aus. Warten wir mal den Artikel ab und schauen, was insgesamt dann in Wort und Bild in der Zeitung steht.

Am Abend rauschte dann eine herzergreifende Abschlussfeier der Abgänger aus 9, 10 und 12 durch die Stadthalle. Was haben sich diese Jahrgänge nicht alles einfallen lassen, um ein dem Thema gerechtes, märchenhaftes Programm darzubieten. Sketche, Werbeeinlagen, Märchen in Jugendsprache, sportliche Einlagen der sieben Zwerge, eine gekonnte Nummer des Lehrerteams usw. Ein Rausch, ein Fest, eine der schönsten Feiern, die ich erleben durfte. Ganz herzlichen Dank an euch alle für diesen herrlichen Abend!

Und noch etwas gilt es festzuhalten. Das kleine Büchlein mit den „Letztens-Kolumnen“ ist fertig. Die ersten fünfzehn bestellten Exemplare konnte ich heute in Besitz nehmen. Noch eine länger währende Arbeit hat ihren Abschluss gefunden. Bin gespannt, welche Rückmeldungen ich erhalten werde und wie es ankommen wird.

 

Freitag, 14. Juni 2019:

Eine ganz reguläre Musikstunde, schön! Wir versuchten den Sirtaki noch weiter zu verfeinern. Viel Zeit bleibt dazu nicht, aber die Fünftklässler sind fantasievoll. Das wird schon klappen. Ungeduldig wurde ich nur, weil immer wieder neue Schritte oder Figuren und Ideen vorgebracht wurden, die sich doch jetzt nicht mehr einschleifen lassen. Irgendwann ist die Ideenfindung abgeschlossen und dann wird nur noch „gebimst“!

Dieses Mal haben wir das Fünfer- und das Sechser-Assembly direkt hintereinander gelegt, das spart Zeit und der Kunstsaal muss nur einmal gestellt werden. Themen waren der anstehende Umzug der Sechser nach Deidesheim, wir zeigten den Film der Skifreizeit und ich führte erstmals in die Young Americans ein, die für beide Jahrgänge ein völlig neues Projekt darstellen. Dachte ich zumindest, denn die Geschwisterkinder waren natürlich im Bilde.

Überhaupt nicht voran kommen wir mit der Unterrichtsverteilung. Aufgrund einer Wegversetzung wollten wir die einzige Planstelle, die wir erhalten, natürlich mit Physik besetzen, zumal eine weitere Physikkraft ein Sabbatjahr einlegen wird. Heute kam nun die Nachricht, dass auch eine zweite Bewerberin die Planstelle nicht annehmen wird, weil sie woanders eingeplant ist. Weitere Bewerbungen für Physik liegen nicht vor! Welche Fächerkombination jetzt zu uns kommen wird (über Vertretungsstunden verfügen wir noch in benötigter Anzahl) wird auf alle Fälle nochmal das ganze bisherige Werk infrage stellen. Na dann: Prost, Mahlzeit und neu nachdenken!

Für den 17. Juni war das Erscheinen des siebten Bandes von Andreas Maiers Ortsumgehung angekündigt. Ich bestellte das Buch schon mal vor und erfuhr heute bei einem beiläufigen Besuch in „meiner“ Buchhandlung: „Wir wollten Sie gerade anrufen. Das Maierbuch ist gekommen!“. Welch eine Überraschung!

 

Mittwoch, 12. Juni 2019:

Gemessen an der vergangenen Woche mit ihren Höhepunkten, war dies ein ganz normaler Schultag. Zu bieten hatte er allerdings einen Unterrichtsbesuch in Mathematik im Grundkurs des Jahrgangs zwölf. Zunächst dachte ich: typisch Gesamtschule! Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe fanden an ihrem Platz farbige Schokolinsen vor und sollten mit einem Würfel spielen. Aber, ich kam schnell dahinter, die Mathematik, hier die Stochastik (Wahrscheinlichkeitsrechnung), steckte in der Spielregel. Die Lernenden sollten nämlich abschätzen, welcher Spieler nach der unterschiedlichen Regel gewinnen wird. Nach kurzem Spiel wurden die Vermutungen festgehalten: Alle Varianten wurden genannt: Spieler A, Spieler B, keiner von beiden. Okay, dann muss gerechnet werden! Von der konkreten Spielberechnung ausgehend, wurde eine Formel abgeleitet, die dann im weiteren Verlauf verallgemeinert wurde. Eine gut aufgebaute Stunde, die lediglich unter Zeitdruck stand. Die überzähligen Schokolinsen übrigens landeten bei uns und versüßten die 45 Minuten auf ihre Weise.

Einmal im Jahr mal nicht zusammenkommen, Verantwortung tragen und diskutieren, sondern uns an uns selbst freuen: Der Schulelternbeirat traf sich zum Jahresabschlussessen auf dem Bad Dürkheimer Flugplatz. In der Abendsonne genossen wir das Essen und lachten viel. Da können wir nach den Ferien wieder richtig loslegen! Die Sonne war längst untergegangen, so dass sich der Rückweg mit dem Fahrrad dann doch etwas frisch gestaltete.

 

Pfingstdienstag, 11. Juni 2019:

Dienstag nach Pfingsten heißt: Deidesheim steht Kopf, denn der Geißbock ist gekommen. Während er noch mit dem Tross an Begleitern unterwegs war, hatten wir uns früh schon im Büro verabredet eine angepasste Regelung für den Dienstagnachmittag, unser Konferenznachmittag, auszuarbeiten versucht. Zu der Zeit war der Sechserjahrgang bereits wandernd unterwegs nach Deidesheim. Zwei „Fußkranke“ hatte ich ins Büro bestellt. Sie brauchten nicht mitzuwandern und sollten mich von der Schule aus zur Stadtgrenze durch den Park begleiten. Pünktlich um zehn Uhr waren alle IGSler versammelt, bestaunten mit den Honoratioren der Stadt, den diesjährigen Tributbock: der Bürgermeister mi Amtskette, der Pfarrer in langer, schwarzer Soutane, die Darsteller des Stadtgerichts in historischen Gewändern, die aktuellen Stadtratsmitglieder mit schwarzem Zylinder, Leiter der Touristinfo, Mitglieder des Kuratoriums der Frank-Lyden-Stiftung! Und nochmal der Begriff der Netzwerkarbeit, denn viele der Genannten traten aus dem Zug auf mich zu und begrüßten mich mit Handschlag, wahrnehmend, dass die Schule nicht nur durch die Schülergruppen an dem historischen Spektakel teilnahm. Am Rathaus angekommen, hörte ich mir noch das aus vielen Kinderkehlen schallende Geißbocklied an. Zum historischen Spiel, in welchem der Geißbock der Stadt übergeben und geprüft wird, konnte ich in diesem Jahr allerdings nicht bleiben. Die Arbeit am Terminkalender für das kommende Schuljahr rief mich zurück ins Büro. Es dauerte auch nicht lange, da kamen die Sechstklässler an, die, eine Brezel essend, ihren neuen Standort kennen lernen sollten. Dazu gehört auch das Sekretariat und das Büro des Schulleiters. Einem Zufall war es geschuldet, dass alle vier Klassen in diesem Jahr durch mein Büro auf den Flur zurückgingen – der „kleine Dienstweg“ also – und viele davon mich beim Durchlauf abklatschten. Schließlich kennen wir uns alle aus dem letztjährigen Musikunterricht.

Abends im Ratssaal, erneut war der Landrat persönlich gekommen, traf ich den Hotelier vom Aachensee, der den Bock im letzten Jahr ersteigert hatte. Wie es ihm ginge, wollte ich wissen, erfuhr allerdings, dass er durch unsachgemäße Fütterung von Wanderern und Touristen gestorben sei, dass Deidesheim aber einen Ersatzbock geliefert habe, der bereits vier Nachkommen gezeugt habe. Was dann im Ratssaal abging, kannte ich ja bereits durch die Jahre zuvor. In diesem Jahr wollte ich die Versteigerung von unten miterleben und traf eine Kollegin. “Bist du nicht oben bei den Honoratioren der Stadt?“, wollte sie, die Gepflogenheiten offensichtlich kennend, wissen und schon hatten wir uns im dichten Gedränge wieder aus den Augen verloren. Die Versteigerung - auch ein Wortspektakel der besonderen Art – erbrachte einen höheren Betrag als im vergangenen Jahr und der Geißbock bleibt in der Region und hat einen erneuten Bezug zur Schule, denn er wurde von einer Familie ersteigert, deren Tochter ich gerade in Musik unterrichte. Ich hatte sie zuvor bereits von der Rathaustreppe aus erspäht und wir hatten uns zugewinkt, nicht wissend, was ihr Vater vorhatte…

Wenn man so will, zeigten diese beiden Festtage, wie sehr die Schule inzwischen ein fester Bestandteil in der Region geworden ist, mehrfach auftaucht und immer wieder ins Rampenlicht rückt. Was kann uns Besseres widerfahren?

 

Samstag, 08. Juni 2019:

Den heutigen Termin sah ich seit langem kommen: Sommerfest des Landkreises angesichts seines 50-jährigen Bestehens seit der Kommunalreform 1969. Sehr früh hatte ich die Bandklasse angesprochen, ob sie die Schule nicht beim großen Jubiläumsfest vertreten würde. Ich ging allerdings davon aus, dass wir dazu mitten in die „Musikszene der anderen Schulen“ eintauchen würden. Doch wir blieben als musizierende Schule des Landkreises allein. Zusätzlich bestückte ich einen Stand im ausgeräumten Ratssaal. Da allerdings waren fast alle Schulen vertreten. Es fing für mich gestern bereits an, denn da holte ich in Wachenheim zwei der leichten Stellwände aus der Schule. Heute Morgen nun, die Anfahrt war nur zwischen neun und halb zehn Uhr möglich, brachte ich sie ins Kreishaus und bestückte den Stand mit Plakaten und Flyern. Angesichts der Parkplatznot fuhr ich das Auto wieder heim und kam mit dem Fahrrad wieder. Ein Rad findet immer einen Platz, ich fand sogar den Fahrradständer leer. Pünktlich zur Eröffnung war ich also wieder „unten“. Alles, was im Kreis Rang und Namen hat, war anwesend, jede Menge Menschen der Kreisverwaltung, Orts- und Verbandsbürgermeister – immerhin war ein Fassanstich mit anschließendem Freibier angekündigt. Schön, dass die vierzehn weiterführenden Schulen als ein Qualitätsmerkmal des Landkreises mit in den Fokus gerückt wurden. Mir wurde erstmals so richtig das Ergebnis einer zehnjährigen „Netzwerkarbeit“ vor Augen geführt. Bei einem solchen Fest tummeln sich viele Verantwortliche aus Politik und Verwaltung zu einem Zeitpunkt auf einem Platz, Menschen, mit denen ich in den verschiedenen Verästelungen sonst nur einzeln zu tun habe, die ich aber daher alle kenne und sie mich. Wen traf ich da nicht alles zur Begrüßung und stets ergab sich die wohlwollende und auch wertschätzende Nachfrage, die zusammengefasst lauten könnte: „Na, wie läuft es in der IGS?“. Neben allen Aufgaben, die auf einen Schulleiter zukommen, steht dieser Aspekt in keiner Stellenbeschreibung und ist doch so eminent wichtig: Netzwerkarbeit auf verschiedenen Ebenen. In unserer Geschäftsverteilung ist dies in die Worte gekleidet: Vertretung der Schule nach außen.

Das Wetter sorgte noch für etwas Hektik bei den Bandklassen, was sich aber später als Vorteil herausstellen sollte. Durch den heftigen Wind sah sich die Firma, die für die Tontechnik engagiert war, nicht in der Lage, auf der ungeschützten Nebenbühne die Technik aufzubauen und reiste wieder ab (?!), Nach einigen Diskussionen und Gesprächen kam es zu folgender Lösung: Wir durften auf die Hauptbühne eines regionalen Radiosenders! Das sah schon gut aus, wie unsere Schülerinnen und Schüler auf der in schwarz umkleideten großen Bühne auftauchten. Das Einrichten der Tontechnik und der Soundcheck mussten in Windeseile erledigt werden, denn es sollte ja keine allzu lange Pause entstehen. Was unter „normalen“ Umständen in einer Zeitspanne von etwa zwei Stunden bewältigt wird, musste jetzt in wenigen Minuten erledigt werden. Hinzu kam, dass der Tontechniker zwar ein professioneller war, aber das Equipment einer Bandklasse mit etwa zehn Gitarren- und Bassanschlüssen, dazu mehrere Keyboards und zwei Schlagzeugen mit zusätzlichen Bongos und Congas – das forderte ihn doch ganz schön, zumal er darauf nicht vorbereitet war. Zuvor hatten die Kids den kreiseigenen Sprinter in Form einer Karawane ausgeräumt und schon alle Instrumente direkt an die Bühne gebracht. Jeder war für seine Gitarre verantwortlich, die bereits gestimmt und verkabelt auf die Bühne gebracht wurde. Eine Höchstleistung an Organisation!

Wer unsere Bandklassen einlädt, bucht das Publikum in Form der Eltern gleich mit. Jedenfalls stand ich mit vielen Müttern und Vätern applaudierend und jubelnd in der ersten Reihe. Umwerfend! 

Nach den Auftritten dauerte die Zeit der Smalltalks immer noch an, doch dann tauschte ich schließlich doch das Fahrrad zu Hause gegen das Auto aus und baute ab sechs Uhr den Stand wieder ab. Wie der Tag begonnen hatte, so endete er. Die Stellwände und Info-Plakate waren abends schon wieder in der Schule in Wachenheim. Erneut so ein Tag mit derart vielen Begegnungen und Eindrücken, die auch auf eine Woche verteilt, ausgereicht hätten. Immerhin bietet das Pfingstwochenende die Möglichkeit, etwas „runter zu kommen“.

Wie weit mag heute das Labyrinth gediehen sein? Wieder fand ein Arbeitseinsatz von Eltern und Schülern statt, um die mehr als neunhundert Steine in ein „Betonbett“ zu legen. Wieder konnte ich nicht teilnehmen!

 

Donnerstag, 06. Juni 2019:

Endlich mal wieder regulärer Musikunterricht. Was zunächst noch mit viel Zeit daherkam, wird jetzt sehr knapp: das Üben des Sirtaki für die Begrüßungsfeier. Heute übten wir erstmals auf der größeren Fläche der Gymnastikhalle und fügten einzelne Teile zusammen. Noch sitzt der Tanz nicht so, wie ich ihn im Kopf hatte. Aber es ist ja schließlich der Tanz der Kinder – und da muss ich mich wohl etwas zurückhalten.

In Deidesheim sind die ersten vier neuen Containerteile angeliefert worden. Immer vier bilden zusammengebaut ein Klassenzimmer. Sechs Klassen werden es sein, fehlen also noch zwanzig Teile. Nur: Wo sollen die stehen, wenn die Baustelleneinrichtung kommt? Zuerst muss das Dach der schon bereitstehenden Container abgebaut werden. Die neuen werden dann mittels eines Krans hochgehievt werden. Die sollten genau passen. Der Innenausbau soll dann während der Ferien fertiggestellt sein, also Boden verkleben, Heizung und Elektrik einbauen, Fugen und Stöße verkleiden. Noch fehlen die zugesagten Überseecontainer, in welche die Klassen am letzten Schultag ihre Möbel verbringen sollen. Ein Spannung erzeugender Zeitplan!

Ein zweiter Abendtermin stand heute an. Nachdem wir gestern die Eltern des sechsten Jahrgangs über unser Konzept der Fachleistungsdifferenzierung informiert haben, in welche ihre Kinder ab kommendem Schuljahr einsteigen werden, waren heute die Eltern der neuen Fünftklässler in die Stadthalle in Wachenheim geladen. Wir hatten die Präsentation ein gutes Stück verändert, die neuen Fächer der weiterführenden Schule vorgestellt und dann die Besonderheiten der Gesamtschule noch hinzugenommen. Um nicht den Abend zu überfrachten, fiel etwa der genaue Plan der der Integrationstage heraus, denn die Daten und Inhalte kann sich eh keiner an einem Abend merken. Es gab sie dafür schriftlich. Und natürlich erblickte das neue Jahrgangslogo das Licht der Welt, welches die geforderten Aspekte enthält: männlich, Bezug zur Pfalz, Vor- und Nachnamen als Alliteration ausgeführt. Ladies and gentleman, we are proudly present Fabio Fass! Eines durfte natürlich nicht fehlen und gehört seit über zehn Jahren zum festen Bestandteil dieses ersten Elternabends: Das Einüben und Singen des Schulkanons. Ich weiß überhaupt nicht weshalb, aber irgendwie hatte ich das Gefühl in mir, dass die Einleitung in den Text des Liedes in diesem Jahr besonders gelungen war. Und dann die Gesichter der Eltern, wie sie sich zunächst lächelnd wegduckten, wie ich sie aus der Angst oder Peinlichkeit hervorlocken musste mit den auflockernden Drei Chinesen mit dem Kontrabass, wie sie dann langsam einstimmten und am Ende wieder einmal, wie seit zehn Jahren, den Kanon in zwei Gruppen sangen. Eigentlich fast ein Mysterium, dass sich fremde Menschen zu einer Gruppe zusammenfinden, sich von mir (an)leiten lassen und etwas tun, von dem sie vor diesem Abend sicher nicht gedacht hatten, dass sie es tun werden: als Eltern eines Jahrgangs zusammen ein neues Lied singen. Immer wieder ein Erlebnis, dass dies funktioniert. Am Ende des Abends kam ein Vater auf mich zu und sagte: „Mit einem solch kurzweiligen Abend habe ich nicht gerechnet! Vielen Dank!“ Und eine Mutter sagte mir, während ich die Gitarre in ihre Hülle packte: „Welch eine schöne Idee, gemeinsam zu singen. Das habe ich schon lange nicht mehr erlebt!“

 

Mittwoch, 05. Juni 2019:

An den Problemen von vorgestern bin ich recht unschuldig. Der Zeitdruck bei drei Dienstlichen Beurteilungen, die noch bis zu den Sommerferien zu verfassen sind, geht dagegen auf meine Kappe, immer wieder habe ich sie vor mehr hergeschoben. Nun muss ich ran! Mal so eben nebenher konnte ich im Namen der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz (hoheitliche Aufgabe eines Schulleiters!) eine Anerkennung zu 25 Jahren der Allgemeinheit geleisteten Dienste aussprechen. Das Beste daran sind die zwei Tage Sonderurlaub, die damit verbunden sind.

Die Baustelle rückt immer näher, hat aber erst Vorboten im Köcher, da stockt sie schon das erste Mal: Auf die Ausschreibung für den hinteren Schulhof, den wir nach den Ferien ja benötigen werden, hat sich niemand gemeldet! Der Untergrund sollte ja, was Abflüsse, Kanäle und Beschaffenheit anbelangt, bereits „final hergestellt“ werden, nur die Oberfläche sollte noch fehlen. Und nun? Da wir den Alla-hopp-Platz als Schulhof mitbenutzen werden, würde ein einfacher und gestampfter Schotterbelag für das eine Jahr wohl reichen. „Wie gelassen du reagierst! Ich hatte Angst, du würdest an die Decke gehen!“, meinte die Bauamtsleiterin. Aber was soll ich an die Decke gehen, wenn etwas so ist, wie es ist und nicht zu ändern ist, ob ich am Boden bleibe oder „in die Luft gehe“. Da müssen eben pragmatische Lösungen her!

 

Montag, 03. Juni 2019:

Das zweite Halbjahr ist bekanntermaßen durch die vielen Feiertage recht zerfranst, ich komme kaum in einen Rhythmus, dann ist schon wieder frei. Ich weiß nicht, wem es noch so geht. Die Schülerinnen und Schüler mögen es allerdings genießen, keine Frage. Für mich kamen die aktuellen freien Tage um Christi Himmelfahrt in diesem Jahr wie gerufen: Irgendein Infekt plagte mich. Daher verbrachte ich drei Tage auf der Couch. So recht genossen habe ich also die unterrichtsfreie Zeit nicht. Sei’s drum!

Nun hat also bereits der Monat begonnen, der das Schuljahr beendet. Wie die Zeit verstreicht und es steht noch so viel an! Durch meinen Couchaufenthalt konnte ich wieder nicht beim Legen des Labyrinthes helfen, fuhr aber heute Morgen vor der Schule noch hin, um den Fortschritt zu bewundern. Die einzelnen kreisrunden Kurven werden nach innen hin immer kürzer, so dass jetzt bereits das Labyrinth gut zu erkennen ist. Einfach ein herrliches Projekt!

Aufgrund technischer Probleme wurde der Noteneintrag bis heute verlängert und war dennoch nur kurze Zeit möglich. Da verlangen wir dem Kollegium einiges ab, denn sie sollen die Noten aufgrund des Datenschutzes möglichst in der Schule eingeben, können aber gleichzeitig nicht die notwendigen Geräte in ausreichender Zahl bereitstellen. Ich bin in luxuriösen Lage, meine Noten den ganzen Tag über in meinem Dienstcomputer eingeben zu können. Dennoch habe heuer kein gutes Gefühl dabei. Die Musikstunden liegen alle donnerstags und freitags. Mit den zusätzlichen Terminen eines Schulleiters sind sie einfach zu oft ausgefallen und stehen daher auf wackeligen Beinen.

Hinzu kamen heute allein fünf Einzelgespräche. Sie unterbrachen meine Noteneingabe immer wieder, was aber, wie geschildert, nichts ausmacht. Danach kann ich einfach weiterarbeiten, ohne dass eine Kollegin oder ein Kollege in der Zwischenzeit dran musste. Die neue Übergreifende Schulordnung wirft plötzlich Fragen auf, die jetzt erst für die Zeugniskonferenzen auftauchen. Da ist schnelle Klärung notwendig. Wenn es aber um Klärung, Eindeutigkeit und Juristen geht, ist „schnell“ ein schlechtes Adjektiv. Dann nehmen wir eben den Ermessensspielraum eines Schulleiters in Anspruch. Wenn es dann Ärger geben sollte, muss man sehen, wie damit umzugehen ist.