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Feb 2019

 

Freitag, 15. Februar 2019:

Wie es so gehen kann: Ich hatte einen Bautermin um zehn Uhr in Deidesheim wahrzunehmen. Dafür sollte der Mathematikunterricht vorgezogen werden und dann erkrankte Vertretung. Nochmal Unterrichtsausfall. Das ist gerade und immer noch ein großes Thema. Da ist es uns gerade gelungen, eine Vertretungskraft einzustellen, und schon fällt aus dem Kollegium noch jemand längerfristig aus. Das macht derzeit keinen Spaß. Wie auch, wenn es Tage gibt, an denen von 72 Kolleg/-innen über zwanzig nicht zur Verfügung stehen…Mich wundert es, dass der Schulbetrieb überhaupt noch aufrechterhalten werden kann und dass es Klassen gibt, die davon gar nichts mitbekommen! Dabei lese ich in der Tageszeitung, dass sich die Grippewelle in Rheinland-Pfalz sich gerade erst auszudehnen beginnt. Der Höhepunkt werde an den Faschingstagen erreicht. Na denn: Prost!

Der Bautermin war weit vorausplanend angesetzt. Es ging um die Feinabstimmung der Ausstattung von zwei neuen Fachräumen in den Naturwissenschaften. Konkret: Wir werden zwei Biologieräume mit Vorbereitungsräumen erhalten. Die Enge in den Fächern Biologie, Chemie und Physik, die durch die fehlenden Fachräume entsteht und die auch die Stundenpläne verschlechtern, wird ein Ende haben. Aber: Es ist die letzte der Baumaßnahmen und damit Zukunftsmusik. Immerhin brachte mich der Termin einmal direkt unters Dach. Der vorhandene Ventilator musste auf seine Kapazität hin überprüft werden. Kann er die zusätzliche Saugleistung für einen weiteren Abzug aus einem neuen Schrank mit Chemikalien leisten oder muss ein neuer eingeplant werden. Wie sollen bzw. müssen die neuen Vorbereitungsräume ausgestattet werden? Wo sollen die Gas-, Wasser-, Strom- und Netz-Anschlüsse verlegt werden, damit die Lernenden fachgerechte Versuche durchführen können? Handwaschbecken eher an die Tür, Abflussbecken für Schüler hinten an die Wand und weitere konkrete Einzelfragen waren zu beantworten. Ich hatte es noch gar nicht erwähnt: Die ersten Bäume sind für die künftige Baustelle gefällt worden. Das musste bis zu einem bestimmten Termin im Februar vollzogen sein, damit die Nestbauzeit der Vögel nicht tangiert wird. Jaja, so langsam wird es richtig konkret. Wenn ich richtig rechne und alles so läuft, wie es geplant ist, sind es noch etwas mehr als fünf Monate bis zum ersten Abriss! Das bedeutet auch, dass bis dahin die sechs weiteren Container bezugsfertig sein sollen. Abgerissen wird zwar in den Sommerferien, doch die Schulmöbel müssen ja vorher irgendwohin.

Und was noch nicht durchgestanden ist: Das Aufnahmeverfahren für die neuen Jahrgänge fünf und in elf. Wobei eher die Enttäuschungen von nicht gelosten Kindern aus fünf bei mir angekommen…

 

Mittwoch, 13. Februar 2019:

Ein Unterrichtsbesuch der besonderen Art, denn wir vereinbarten, dass wir zwei mündliche Prüfungen in Mathematik simulieren. Realistischer kann es fast nicht sein: Schulleiter als Prüfungsvorsitzender und die „echte“ Fachlehrerin als Prüferin. Lediglich die Protokollantin fehlte, aber für die Prüflinge ist diese eh kaum wahrnehmbar. Der Erfolg war durchschlagend: Fachlich lief alles wie ich es gewohnt bin. Vorbereitungszeit, zwei Aufgaben, Präsentation mit Folien und aufgeregte Prüflinge. Danach konnten wir gemeinsam mit den freiwillig Hinzugestoßenen in Ruhe auswerten, Beobachtungen mitteilen und Hilfestellungen geben. Ich konzentrierte mich dabei auf die nicht-fachlichen Dinge. Reden, was das Zeug hält, wenn der Prüfling aufhört übernimmt zwangsläufig der Prüfer das Ruder und das kann schnell ins Auge gehen. Lieber etwas ausschweifen und einen zusätzlichen fachlichen Nachbaraspekt einbinden. Vor allem Körperhaltung und Ausdrucksweise kontrollieren. Statt sich die Hände verunsichert zu reiben, sie lieber in die Hüfte stemmen mit einer inneren Haltung: „Klar, schaffe ich das!“. Das war richtig gut gelaufen. Vermutlich wäre die eine der beiden simulierten Prüfungen im Einserbereich bewertet worden.

Ein seit Sommer angedachtes Projekt nimmt Fahrt auf. Angeleitet von einer Kollegin „bauen“ Schülerinnen und Schüler eines Ethikkurses gemeinsam mit der Lebenshilfe in Neustadt und dem Seniorenheim in Deidesheim ein Labyrinth. Welch eine Kooperationsleistung! Dazu treffen sich alle drei beteiligten Gruppen in der Schule, bemalen Steine, die den Weg durch das Labyrinth begrenzen, bevor sie dann unter Mithilfe eines Landschaftsarchitekten verlegt werden. Zwei Zuschussanträge wurden bereits gestellt, just zu dem heutigen Gesprächstermin kam eine erste Zusage. Außergewöhnlich, beeindruckend und nachhaltig, denn das Labyrinth wird auf einer Wiese vor dem Seniorenheim wetterfest angelegt.

 

Freitag, 08. Februar 2019:

Ich hab’s ja gewusst: Die Personalpronomen haben sich mit Spaß, Wiederholung und Klatschen in den Köpfen eingenistet. Vielleicht noch nicht bei allen, aber doch bei vielen.

Die beiden Musikstunden waren gefüllt mit dem Cupsong. Die Kids wollen einfach nicht im Rhythmus bleiben. Dieser ist aber das A und O der ganzen Nummer. Wenn die „Klacks“ nicht synchron kommen, sondern sich viele auf einzelne Aufschläge verteilen, kommt sie nicht rüber.  

Wichtige Klärungen mit dem Ministerium und der Schulaufsicht machten den Wochenausklang nochmal wichtig. Die Anträge zur Genehmigung der Wahlpflichtfächer nach der neuen Verwaltungsvorschrift bedurften der Nachfrage in Mainz, ein kniffliger Einzelfall bei der Aufnahme in Klasse elf und die Regelung der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf benötigten noch die Schulaufsicht in Neustadt. Für eine Kollegin begann dann das erste Wochenende als Beamtin auf Lebenszeit, in ihrer Biografie wird dieses Datum bis zur Pension von Bedeutung sein.

 

Mittwoch, 06. Februar 2019:

Heute hat die Anmeldung für die Oberstufe für die Schüler/-innen von extern begonnen. Erwartungsgemäß haben sich viele gemeldet. Im Gegensatz zur Anmeldung in Jahrgang fünf bedarf es eines vorher ausgemachten Gesprächstermins. Zu viele Einzelfragen der Fächerwahl innerhalb der Profile bedingen, dass wir diese Anmeldung nicht „einfach so“ laufen lassen. Zu lange Wartezeiten hatten sich bei den ersten Jahrgängen ohne vereinbarte Termine gebildet.

Die Leitung der Polizeiinspektion war in Deidesheim. Wir sprachen über kritische Situationen, die innerhalb des Schulbetriebs möglich sein können und Wege, wie wir solche am besten gemeinsam begegnen können. Dazwischen die ersten Anrufe wegen des negativen Losentscheids. Oh, ja, ich kann mir die Enttäuschung leibhaftig vorstellen, kann verzweifelte und weinende Mütter am Telefon und die Kinder dahinter verstehen. Nur ändern kann ich es nicht. Zum Glück erhalte ich auch Reaktionen der Glücklichen, ohne die die Telefonate noch schwerer zu verarbeiten wären. In einer Mail stand:

„[…] Als wir ihr den Brief von der IGS zum Lesen gaben, kam ein freudiges Jauchzen....sie sprang ihrem Bruder in den Arm und fing plötzlich an vor Glück zu weinen […] Mir wurde klar was für ein Stein ihr vom Herzen fiel […] Auch mir kamen die Tränen. Wir freuen uns total.“ 

So erlebe ich Freud und Leid in einem Zug, wenngleich die verzweifelten Anrufe länger haften bleiben. Sie nehme ich auch mit nach Hause, denn sie bleiben ja bestehen.

 

Montag, 04. Februar 2019:

Es war ein echtes Erlebnis für mich: Meine erste Deutschstunde in einer fünften Klasse seit etwa zehn Jahren. Aufgrund des hohen Krankenstandes im Kollegium und des Unterrichtsausfalls speziell in dieser Klasse, werde ich zusätzlich einige Stunden in Deutsch übernehmen. Die Erfahrung heute zeigte mir erneut: Genau deswegen bin ich Lehrer geworden und ich kann es noch. Es machte mir unbändig Spaß, mich mit der Klasse durch die Wortarten zu hangeln. Alte Wortreihen, laut im Chor gesprochen, verbunden mit rhythmischem Klatschen, sind mir noch präsent, als hätte ich sie gestern zuletzt aufgesagt. Also schallten heute die Personalpronomen durch den Klassensaal, womöglich auch im Flur: „ich, du, er/sie/es, wir, ihr, sie“. Dreimal mit der ganzen Klasse, dann einige einzeln, zum Schluss nochmals mit allen. Ich glaube, diese Methode, so altbacken sie zu sein scheint, ist nach wie vor eine erfolgreiche. Ich werde es am Freitag überprüfen können, wenn ich nochmals in der Klasse bin.

Ein weiterer schöner Moment: Das Schulleitungsteam war heute seit einiger Zeit wieder einmal vollständig. Fast hatte ich mich schon an die kleinere Runde gewöhnt. Umso schöner das Oktett heute. Allerdings konnte ich es nicht lange genießen, denn der Schulträgerausschuss tagte noch im Ratssaal. Also, auf nach Bad Dürkheim. Die Themen rissen mich nicht aus dem bequemen Stuhl, aber was sein muss, muss halt sein.

Die Skifahrer sind seit heute aus den Klassen sieben bis zehn unterwegs. Ich hoffe, ihr kommt gut an. Ausreichend Schnee dürftet ihr ja haben. Und: Passt auf eure Knochen auf!

 

Freitag, 01. Februar 2019:

Der neue Jahrgang steht als ein erster Entwurf, denn erfahrungsgemäß wird es noch Veränderungen durch zurückgegebene Plätze geben, wenn die Anmeldungen der anderen Schularten starten. Zweieinhalb Stunden saß der Aufnahmeausschuss über der Anmeldedatei, wie mir berichtet wurde. Zwar bin ich als Schulleiter per Schulordnung davon ausgeschlossen, aber bin letztlich derjenige, der die Schüler auf Vorschlag des Ausschusses aufnimmt. Bei den nicht gelosten Kindern wird es Widersprüche geben, die selbstredend ebenfalls bei mir ankommen werden. Das Ministerium wird sich hoffentlich nicht melden, da kein Kind außerhalb des Schulträgerbezirks aufgenommen wurde.

Ansonsten war heute ein ruhiger Tag, denn er war endlich mal wieder geprägt durch Unterricht! Vier Stunden Musik, einfach eine herrliche Zeit. Der hohe Krankenstand lässt nicht nach. Um nicht nur Stunden ausfallen zu lassen, übernehme ich in einer Fünferklasse zusätzlich zwei Deutschstunden. Auch für Englisch haben wir eine Schmalspurlösung gefunden, aber immerhin. Da wird sich meine freudig erlebte Zeit nochmals anheben. Wie ich von Kolleginnen hörte, geht es derzeit um Wortarten. Das habe ich alles drauf und könnte gar unvorbereitet reinspringen. Hoffentlich genesen alle die erkrankten Kolleg/innen und Schüler/innen. Personaltechnisch sind das keine einfachen Wochen derzeit.