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Dez 2018

 

Freitag, 21. Dezember 2018:

Eben habe ich die Briefe ans Kollegium zur Post gebracht. Durch die freien Tage vor Heilig Abend dürften sie noch rechtzeitig ankommen. Es ist mir ein Anliegen, dass die 82 Briefe nicht im Schulfach liegen, was ich des Öfteren als Hinweis gehört habe. Zum einen müsste ich dann ja wohl etwa eine Woche vorher fertig sein. Das funktioniert bei mir irgendwie nicht, denn ich benötige für mich selbst eine ganz spezielle Stimmung. Ich muss selbst das Gefühl haben: Die Schule ist aus und es sind Ferien, in einigen Tagen ist Weihnachten, Schüler/-innen und Kolleg/-innen fuhren nach Hause, haben das Jahr zu Ende gebracht. Dies ist eine Woche vorher einfach nicht da. Zum anderen gehört es für mich dazu, dass die Weihnachtspost vom Briefträger in die Häuser kommt, möglichst kurz vor Weihnachten. Ich habe ein Kuvert an mich selbst adressiert. So kann ich sehen, ob das Spiel mit der Zeit aufgeht. Gleichwohl weiß ich, dass die Post gerade vor dem Fest an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. Also: Frohe Weihnachten in der Nähe oder in der Ferne! Auch für die, welche mit der Schule gar nichts zu tun haben. Möge das neue Jahr Frieden in uns und in die Welt bringen!

 

Mittwoch, 19. Dezember 2018:

Letzter Schultag des Jahres, dann muss ich mir bei Unterschriften und Datumsangaben die neun als letzte Zahl angewöhnen. Es wird einige Zeit dauern, bis das automatisch „aus der Hand läuft“. Zunächst begann der Tag wie ein ganz normaler Schultag ohne Besonderheiten. Es klingelte, die Schülerschaft strömte ins Gebäude, die Lampen in den Klassenräumen gingen an und Ruhe herrschte auf den Fluren. Erst etwa ab elf Uhr, zum Zeitpunkt, an dem bisher vor Ferien Schluss war, wehte eine seltsame Stimmung durch die Flure, Schüler/-innen und Kolleg/-innen spürten so etwas wie Nachspielzeit und äußerten das auch hie und da. Es ist eine seltsame Regelung. Wenn es stimmt, dass die bisherige Regelung deswegen gekippt wurde, damit weniger Unterricht ausfällt, dann ist das von Menschen ersonnen worden, die einen großen Abstand zur Praxis haben. Was in diesen letzten Stunden, je nach Stundenplan der Oberstufe bis 16.30 Uhr, lief, kann sich a) nicht an anderen Stunden im Jahr messen, noch haben b) die Beteiligten einen inhaltlichen oder pädagogischen Gewinn davon. Außer vielleicht dem, dass die Zeit mit Ärger durchgestanden wurde.

Zwei Besonderheiten versteckten sich aber dennoch in diesem Tag. Zur Preisverleihung anlässlich des Bibliothekswettbewerbs wurde ich zwischen die Bücher und Regale geladen. Drei eingereichte Geschichten wurden prämiert, es war mir gelungen, der Buchhandlung unserer Stadt drei Büchergutscheine zu entlocken. Das Bibliotheksteam hatte den Tisch schön gerichtet und da saßen nun drei Kinder, zwei davon Preisträger, der dritte war heute mit der Klasse unterwegs. Die offiziellen Worte waren schnell verklungen und wir sprachen noch über dies und das und Harry Potter und eine Flugreise nach Mexiko während der Weihnachtsferien und vor allem, dass sie weiterschrieben sollten, Begabung testierten wir allen dreien. Wir schmiedeten auch einen Plan: Wenn der Schreibwettbewerb jedes Jahr stattfindet, die Gewinner auch längere Text schreiben könnten, dann würde irgendwann Stoff für ein Buch zusammenkommen mit Autor/-innen ausschließlich von der IGS. Das wäre doch was! Ich werde diese Idee weiterverfolgen!

Zum Jahresschluss hatte ich alle „Putzteufelchen“, so nennt unser Hausmeister die fleißigen Frauen, die das Gebäude täglich in Schuss halten, zu mir zu einer Jahresabschluss-Dankes-Kaffeerunde eingeladen. „Im Chefbüro war ich ja noch nie“ und „Ich nur zum Saubermachen“ – Worte zwischen durch geäußert.

Dann fuhr ich mit einem kleinen Geschenk noch nach Wachenheim und schaute mir noch die Türen mit den Karten aus der Courage-Aktion an. Bewegende Worte las ich auf zum Teil schön gestalteten Karten:

- „Ich wünsche mir, dass allen Obdachlosen auf der Welt mehr geholfen wird,    

   besonders im Winter und an Feuertagen.“

- „Ich wünsche Menschen, die nicht so viel Geld haben, Hilfe, weil es

   manchen mit Schmerzen und wenig Einkommen schlecht geht“.

- „Ich wünsche mir, dass Kinder und Erwachsene, egal, wo sie leben oder wie

   sie aussehen, ein Weihnachtsgeschenk bekommen, damit ein Lächeln in ihr

   Gesicht kommt“.

- „Ich wünsche mir, dass die betroffenen Familien in Frankreich, deren

   Angehörige auf dem Weihnachtsmarkt umgekommen sind, weiterhin ein

   glückliches Leben führen können.“

- „Ich wünsche mir, dass jeder so sein darf, wie er will, und so akzeptiert wird“.

- „Ich wünsche mir Frieden auf Erden für immer“.

- „Ich wünsche mir, dass die Natur nicht weiter gefährdet wird.

…ein Querschnitt durch die aktuellen Themen und Zeichen dafür, dass sie für ihre Umwelt aufmerksam und sensibel sind. Eine schöne Aktion – und dabei kenne ich nur die Karten aus drei Sechserklassen. Dann fuhr auch ich nach Hause und lasse nun die Schule allein, darauf hoffend, dass die Einbrecher uns in diesen Ferien verschonen. In der Zeitung las ich heute, dass eine Gruppe von jungen Männern zwischen 16 und 20 gefasst wurde, denen mindestens vierzehn Einbrüche in Kindergärten und Schulen zur Last gelegt werden. Die einzelnen Schulen wurden allerdings nicht genannt, aber vielleicht ist ja unsere dabei.

 

Dienstag, 18. Dezember 2018:

Welch ein Unterschied zu gestern: Das Assembly in Jahrgang sechs war ein Genuss. Auch sie erlebten von der Anzahl her wenige Treffen, waren aber vom letzten Jahr vielleicht gewohnt, was ein Assembly ist. Sogar ein Gespräch mit allen über die Präsentation der vier Kerzen und die in den Familien begangenen Bräuche an Heilig Abend war möglich. Und mein Wunsch: Mit allen zum Abschluss zu „In der Weihnachtsbäckerei“ mit dem rhythmischen Klatschen in den Pausen klappte aus dem Vorjahr ungeübt und stieß auf strahlende Augen. Was bedeuten diese beiden unterschiedlichen Erlebnisse? Ich habe vor, im neuen Jahr in allen Musikklassen das Assembly zu besprechen und nachzuhaken, vielleicht auch gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Auf alle Fälle sollten es wieder mehr Termine sein, damit sich Dinge einspielen können.

So, morgen noch, dann ist das schulische Jahr 2018 abgeschlossen. Fremd wird daran sein, dass der Unterrichtsschluss nicht mehr früher sein darf – und das vor Weihnachten. Bin gespannt, wie wir das morgen erleben.

 

Montag, 17. Dezember 2018:

Ich hatte mich sehr auf das Assembly in Jahrgang fünf gefreut und ging doch einigermaßen enttäuscht aus dem Kunstsaal. Die Kids waren unruhig, haben immer wieder reingeredet, ließen sich kaum anstecken, kamen einfach nicht zur Ruhe. Einzig das Singen kam an, da waren alle bei der Sache und zu begeistern. In der Nachbetrachtung fielen mir einige Gründe ein, monokausal geht es hier sicherlich nicht zu. Zum einen fehlt diesem Jahrgang das häufigere Assembly zur Eingewöhnung, was wiederum an ganz verschiedenen Faktoren liegt. Zum anderen ist es in meiner Erfahrung aus dem Musikunterricht ein Jahrgang, in welchem sich vermehrt Kinder versammeln, denen es schwerfällt, ruhig zu sein. Darauf werde ich ein Auge haben müssen, soll das Assembly weiter sinnstiftend sein.

Die neue Anmelderunde scheint bereits begonnen zu haben. Eine Reihe von Eltern suchen Kontakt, wollen nochmal ausloten, wie groß ihre Chancen sind und wollen explizit den Schulleiter sprechen. Sie können einfach nicht wahrhaben, dass die Aufnahme das Ergebnis eines geordneten Verfahrens ist und keinesfalls am guten (oder mangelnden) Willen des Schulleiters liegt.

 

Mittwoch, 12. Dezember 2018:

Seit wir die Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche eingeführt haben, dachte ich: Was passiert, wenn…? Heute ist es passiert. Da fast alle SELG aus organisatorischen Gründen auf einem Tage liegen, müssen auch wirklich alle Tutoren komplett im Haus sein oder notfalls irgendwie vertreten werden. Heute fehlten allerdings krankheitsbedingt deren fünf! Da die Eltern oft die Gespräche lange vorher geplant und mit den Tutor/-innen terminiert haben, lassen sie sich nicht einfach verschieben. So viele konnten wir aber auch nicht einfach vertreten, da musste auch die Schulleitung mit ran. So kam es dazu, dass ich heute von acht bis achtzehn Uhr in einer fünften Klasse, die ich ja aus Musik kenne, die SELG mitmachte. Ich empfand dies als einen schönen Tag, weil ich die Vielfalt der Eltern und Schüler/-innen live und hintereinander miterleben konnte, von einem Jungen, der nur zu Ein-Wort-Antworten in der Lage war (bei den Fünftklässlern waren es ja die ersten Gespräche dieser Art), über das sprudelnd lustige Mädchen, einem anderen Jungen, der weinte, weil er so oft gehänselt wird bis zu einem vor Anspannung weinenden Mädchen, das ein ganzes Papiertaschentuch unter dem Tisch zerfaserte. Ich erlebte auch die unterschiedlichsten Eltern, die einen redeten eher zaghaft mit, andere waren selbst aufgeregt, die Eltern von Geschwisterkindern machten ihre Witze und so weiter.  Aber alle Gespräche endeten wohlgemut und alle Kurven waren genommen. So gesehen also ein pädagogisch guter Tag durch und durch. Nimmt man die Tatsache dazu, dass ich abends noch Lust auf Tagebuch-Schreiben habe, dann war er wohl für mich auch nicht übermäßig anstrengend, weil er mir eben tierisch Freude bereitete und ich da sicher in einem „meiner Elemente“ bin. Es kommt ebenfalls hinzu, dass ich mit der Tutorin „auf einer Linie“ lag und wir ganz prima harmonierten. Da ich in der Einladung zum Bau-Jour-fixe eh keinen Tagesordnungspunkt fand, der die Anwesenheit des Schulleiters bedurft hätte, war es auch locker zu verkraften, dass dieser Termin heute ohne mich stattfand. Ich werde das Protokoll intensiv lesen und dann auf dem neusten Stand sein.

Die Aktion der Courage-Scouts zu Weihnachten läuft an. Jede Klasse, die daran teilhaben will, ist aufgefordert, Karten zu gestalten, auf denen eigene Wünsche, Wünsche für die Klasse/Schule und Wünsche für die Welt stehen. In der Courage-Scouts Mail ans Kollegium heißt es:

„Natürlich denken wir bei dieser Aktion nicht an den eigenen Wunschzettel (ein neues Spiel für die Konsole oder ähnliches), sondern mehr an ideelle Wünsche wie z.B. ‚Ich wünsche mir mehr Frieden für die Welt‘ oder ‚Ich wünsche mir, dass meine beste Freundin nicht mehr gemobbt wird‘.

Sind diese Karten gestaltet, sollen sie außen an den Klassenzimmertüren aufgehängt und von jedermann/frau gelesen werden. So entstehen ganze Wunschflure. Eine schöne Idee. Die Karten für Jahrgang sechs, alle vier Klassen wollen mitmachen, brachte ich heute von Deidesheim nach Wachenheim. Bin sehr gespannt!

 

Freitag, 07. Dezember 2018:

Was hatte die Woche für mich noch im Köcher? Ein Unterrichtsbesuch im Vorfeld einer dienstlichen Beurteilungen anlässlich der Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit, Verlegung des Unterrichts wegen derzeit hohem Krankenstand, die Nikolausaktion der Schülervertretung, ein konfliktlösendes Gespräch mit Schulträger, Verbandsgemeinde und Stadt zum Thema Sporthalle, drei unerwartet hohe Rechnungen aufgrund der Installation und der Netz-Einbindung der drei neuen Server konnte ich noch abklären, eine Prüfungslehrprobe, Vorstellen der Weihnachtsaktion von den Courage-Scouts und anschließender Genehmigung…alles zwar beanspruchende Einzelpunkte, als Ganzes gesehen aber eher unspektakulär und dennoch irgendwie die besinnliche Stimmung vor Weihnachten mental beeinträchtigend.

 

Dienstag, 04. Dezember 2018:

Das Landespersonalvertretungsgesetz (LPersVG) schreibt es in § 67 vor: „Dienststellenleitung und Personalrat haben einmal im Vierteljahr zu Besprechungen zusammenzutreten. In ihnen soll auch die Gestaltung des Dienstbetriebes behandelt werden, insbesondere alle Vorgänge, beabsichtigte Maßnahmen und Initiativen, die die Beschäftigten wesentlich berühren“. Im dem heutigen Vierteljahresgespräch wurden wir diesen Inhalten gerecht. Ganz oben stand natürlich die aktuelle und weitere Personalplanung. Bei sieben Müttern in Elternzeit und zwei weiteren, die in absehbarer Zeit in Mutterschutz gehen, ein durchaus diffiziles Thema. Was wird aus den bisherigen Vertretungsverträgen? Steht das Personal für das zweite Halbjahr? Stimmt unsere Regelung der zusätzlichen Arbeitsgemeinschaften bei Lehrkräften mit gymnasialem Lehramt mit der Lehrerarbeitszeitverordnung überein. Rückblick auf die Personalversammlung und dergleichen mehr. Insgesamt konnten wir als Fazit festhalten: Die Stimmung im Kollegium hat schon andere Zeiten erlebt, vieles läuft in geordneteren, zufriedeneren Bahnen. Einzelne Fragen werden immer aus der unterschiedlichen Interesselage kontrovers gesehen werden, das liegt in der Natur der Sache.

Kuchen im Schulelternbeirat am Abend? Ja, ein Versprechen galt es einzulösen, schön. Ein paar Dubbegläser fanden mit Rielsingschorle erstmals den Weg in eine Sitzung. Die Arbeit dieses Gremiums schwankt derzeit noch zwischen neuen Anliegen und der Eingewöhnung der neuen Mitglieder, der eine oder andere Punkt ist aus der letzten Amtszeit noch übrig geblieben, der neue Rat wird sie final zu behandeln versuchen. Viele Worte also heute für und vom Schulleiter und also die ausgleichende Notwendigkeit einer eher wortkargen Phase am späten Abend zu Hause.

Und da war noch ein Körbchen mit 24 roten Säckchen auf meinem Schreibtisch zu finden, deren Inhalt sich über kurz oder lang um meine Hüften ablagern wird…

 

Montag, 03. Dezember 2018:

Wie schön es doch ist, den Ausgleichstag für den Samstag gleich am Montag genießen zu können. Da ist das Wochenende dann doch nicht auf einen Tag verkürzt und zusätzlich haben alle Geschäfte geöffnet. Da bleibt zusätzlich Zeit übrig, für die zweite Kolumne so lange bessere Formulierungen zu suchen und vielleicht noch einen Gedanken einzufügen, bis sie ein Stadium erreicht hat, welches das Hochladen erlaubt. Irgendwann muss ja Schluss sein. Wirklich „fertig“ wird so ein Text (bei mir) nie. Im Gegensatz zu Schriftstellern, muss ich ja alleine arbeiten und entscheiden, kein Lektor schlägt Verbesserungen vor oder kritisiert die Wortwahl, kein Verlagsapparat liest Korrektur.

 

Letztens holte ich einen Döner

Letztens holte ich einen Döner für meinen Sohn und mich. Dabei mochte mein Sohn bis vor kurzem diese schichtweise, an senkrechtem Spieß gegrillte und aus der Türkei stammende Spezialität gar nicht. Ein Schulausflug mit anschließendem Essen an einer Döner-Bude brachte ihn auf den Geschmack. Immer dann, wenn jetzt meine Frau im Kino oder gar auf dem Filmfestival weilt und das Kochen ausfällt, gönnen wir uns einen Döner-Teller mit Pommes und Salat. Als Hintergrund: das Kochen ist mir nicht in die Wiege gelegt. Jeder Handgriff muss bei mir mühsam im Kopf genau gesteuert werden, während es meiner Frau quasi aus der Hand läuft. Wie von selbst agierend, zaubert sie, gerne oder zunehmend vegetarische Mahlzeiten herbei, schneidet etwa die Erdbeeren für das morgendliche Müsli, in der Hand haltend, Richtung Daumen feinmotorisch gekonnt zu. Mir rutschen sie weg, ich zerdrücke sie oder stelle mich anderweitig ungeschickt an. Geschweige denn kann ich abschmecken oder entscheiden, ob das Essen noch eine Brise Salz oder Muskat oder eine andere Finesse aus dem Gewürzregal benötigt. Also nehmen wir Männer die abendlichen Termine gerne hin, wechselten aber von der bisherigen Pizza eben zum Döner.

Mir fällt dabei der „Wienerwald“ meiner Kindheit ein. Es war für mich immer ein besonderes Ereignis, wenn die Familie – die Gründe weiß ich gar nicht mehr – hin und wieder ein Grillhähnchen im Wienerwald essen ging, oder, auch das gab es, wenn mein Vater hinfuhr und die Brathendl, in dickem, beschichteten Stanniolpapier verpackt, nach Hause brachte. Lieber waren mir aber die Ausflüge in die nahe „Gaststätte“. Der grüne Schriftzug steht mir immer noch vor Augen, ebenfalls das davonlaufende Huhn, das vielleicht versuchen wollte, seinem Schicksal zu entkommen. Lange vor der Burger-fast-Essen-Zeit war der Wienerwald das Schnellrestaurant meiner frühen Jahre. Wir saßen dann, je nach Witterung, auf den Biergartenstühlen aus dem typischen Metallgestänge und den einfachen Holzleisten. Es waren, wenn ich mich recht erinnere, die einzigen Gelegenheiten, bei denen wir draußen aßen, unter ausladenden grünen Sonnenschirmen. Ich höre noch genau das charakteristische Knirschen der Schritte im Ohr, wenn die Schuhe auf dem hellen, kleinkörnigen Split auftraten. Ansonsten saßen wir zu Hause am Tisch.

Heute ist im Sommer bei uns die halbe Stadt mit Tischen zugestellt, auf jeden einigermaßen breiten Gehweg passt noch ein kleines Tischchen für den schnellen Kaffee auf dem Weg oder das Eis vor dem Nachhauseweg. Im letzten Jahr noch freie Gehwege sind heuer ebenfalls bestuhlt. Alle scheinen nichts anderes im Sinn zu haben als: Raus ins Freie! Drinnen geht nichts mehr, als ob die Häuser immer noch mittelalterlich dunkel und modrig wären. Lange, sonnenarme Winter, die diesen Solarhunger auslösen, können bei uns, nicht die Ursache sein, anders als in nördlichen Ländern, in denen es monatelang nicht richtig hell wird. Vielleicht hat sich darin auch nur die romantische Sehnsucht nach dem Süden erhalten, ein inniger Wunsch nach sommerlicher „Leichtigkeit des Seins“, lichtdurchflutet und warm, leicht und kurzärmelig bekleidet dem Land verpflichtet, „wo die Zitronen blühen“. Mag sein, dass diese Veränderung auch nur dem Status einer Kurstadt geschuldet ist, denn die Kurgäste und ihre Schatten wollen auch an Wochentagen beherbergt sein für den schnellen oder längeren Kaffee. Ich selbst fröne lieber der Zeit, in welcher die nomadisierend durch die Savannen Umherziehenden in festen Behausungen sesshaft wurden. Diese Phase der Evolution leitete durchaus eine neue Zeit ein. Ackerbau und Viehzucht entwickelten sich. Quasi die Zeitspanne, in der der Wolf zum Hund mutierte. Freilich frühstücken auch wir an schönen Sonntagen im Sommer schon mal draußen „vor der Höhle“, achten dann darauf, dass die Butter nicht in der Sonne steht und der Käse nicht zerläuft. Aber einen „Drang nach draußen“, ein deshalb sehnsüchtiges Warten auf den Sommer entwickle ich dagegen nicht.

Der Wienerwald ist nach einigen Insolvenzen wohl nur noch in Österreich zu finden. Rilke würde schreiben: „Herr, der Sommer war sehr groß“. Vereinzelt gesellen sich zu den Tischen, jahreszeitlich bedingt, die unsinnigen Heiz-Pilze, welche den Unerschrockenen unter den Draußensitzern auch jetzt noch einen Platz im Freien bieten sollen. Andere Trottoirs sind bereits wieder zum Gehen freigegeben, auch vor unserem Dönerladen. Wir beobachten dies mit großer Gelassenheit, denn wir essen den unseren sowieso lieber zu Hause.

 

Samstag, 01. Dezember 2018:

Meine Stadt schlummerte noch zu großen Teilen dem Wochenende entgegen, als sich in an unseren beiden Standorten Schüler- und in Wachenheim auch Elternströme in Richtung Schule bewegten. Der Tag der offenen Tür lockte so manchen früher als sonst aus dem warmen Samstagsbett. Das Fazit vorweg: Es war ein gelungener Tag, der mich der kommenden Anmelderunde gelassen entgegensehen lässt. Auch im aktuellen Schuljahr gab es Gesamtschulen, die ihren neuen Jahrgang nicht „voll bekamen“. Nach dem Tag heute dürfte das auch im kommenden Jahr bei uns kein Problem werden.

In einer ganzen Reihe von Gesprächen hörte ich immer wieder vom guten Ruf unserer Schule, hörte auch immer wieder von wilden Gerüchten, dass man kaum eine Chance hat, an dieser Schule aufgenommen zu werden. Dass in den letzten Jahren immer etwa 70% der angemeldeten ein Platz erhielten, scheint sich dagegen weniger zu verbreiten.

Es macht einfach Freude, unsere Schüler-Taxis erzählend im Haus zu erleben, wie sie ihre Schule aus erster Hand (meist begeistert) beschreiben. Bewegend erlebte ich auch, wie sich die Schülervertretung nach meinen, wieder gut besuchten Kurzvorträgen, vorstellte – eine Mischung aus den Klassen sechs bis dreizehn. Mit welcher Chuzpe stehen sie vor den Zuhörer/-innen und erzählen mit fröhlich aufgeregten Gesichtern von der SV-Tagung, von den Aktionen und vom Assembly, dass es einfach eine Freude ist. Welch eine Gefühlslage stellte sich bei den vielen Zuhörern der Bandklassen, dem Chor und der Bandstarter-AG ein, wenn „die da vorne“ auf der Bühne stehen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Drei von sicherlich Hunderten von Eindrücken, die ich gar nicht mitbekommen konnte, weil selbst eingespannt war in dieser Schulgemeinschaft aus Eltern, Schüler/-innen und Kollege/-innen. Denn eines war vorher so sicher wie das Amen in der Kirche: Der Förderverein würde wieder zur Hochform auflaufen. Dass die dazu notwendigen und immens vielen Einzelheiten so gut vorbereitet sind, das ist schon ein Sahnehäubchen. Allen sei herzlich und mehrfach gedankt, die ihr Scherflein zum Gelingen des heutigen Tages beigetragen haben. Ich weiß das zu schätzen und das ist nicht selbstverständlich. Zufrieden, glücklich und gerührt fuhr ich nach Hause, zurück in die Stadt, die inzwischen für das Adventsgeschäft aufgewacht war.