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Dez 2018

 

Freitag, 07. Dezember 2018:

Was hatte die Woche für mich noch im Köcher? Ein Unterrichtsbesuch im Vorfeld einer dienstlichen Beurteilungen anlässlich der Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit, Verlegung des Unterrichts wegen derzeit hohem Krankenstand, die Nikolausaktion der Schülervertretung, ein konfliktlösendes Gespräch mit Schulträger, Verbandsgemeinde und Stadt zum Thema Sporthalle, drei unerwartet hohe Rechnungen aufgrund der Installation und der Netz-Einbindung der drei neuen Server konnte ich noch abklären, eine Prüfungslehrprobe, Vorstellen der Weihnachtsaktion von den Courage-Scouts und anschließender Genehmigung…alles zwar beanspruchende Einzelpunkte, als Ganzes gesehen aber eher unspektakulär und dennoch irgendwie die besinnliche Stimmung vor Weihnachten mental beeinträchtigend.

 

Dienstag, 04. Dezember 2018:

Das Landespersonalvertretungsgesetz (LPersVG) schreibt es in § 67 vor: „Dienststellenleitung und Personalrat haben einmal im Vierteljahr zu Besprechungen zusammenzutreten. In ihnen soll auch die Gestaltung des Dienstbetriebes behandelt werden, insbesondere alle Vorgänge, beabsichtigte Maßnahmen und Initiativen, die die Beschäftigten wesentlich berühren“. Im dem heutigen Vierteljahresgespräch wurden wir diesen Inhalten gerecht. Ganz oben stand natürlich die aktuelle und weitere Personalplanung. Bei sieben Müttern in Elternzeit und zwei weiteren, die in absehbarer Zeit in Mutterschutz gehen, ein durchaus diffiziles Thema. Was wird aus den bisherigen Vertretungsverträgen? Steht das Personal für das zweite Halbjahr? Stimmt unsere Regelung der zusätzlichen Arbeitsgemeinschaften bei Lehrkräften mit gymnasialem Lehramt mit der Lehrerarbeitszeitverordnung überein. Rückblick auf die Personalversammlung und dergleichen mehr. Insgesamt konnten wir als Fazit festhalten: Die Stimmung im Kollegium hat schon andere Zeiten erlebt, vieles läuft in geordneteren, zufriedeneren Bahnen. Einzelne Fragen werden immer aus der unterschiedlichen Interesselage kontrovers gesehen werden, das liegt in der Natur der Sache.

Kuchen im Schulelternbeirat am Abend? Ja, ein Versprechen galt es einzulösen, schön. Ein paar Dubbegläser fanden mit Rielsingschorle erstmals den Weg in eine Sitzung. Die Arbeit dieses Gremiums schwankt derzeit noch zwischen neuen Anliegen und der Eingewöhnung der neuen Mitglieder, der eine oder andere Punkt ist aus der letzten Amtszeit noch übrig geblieben, der neue Rat wird sie final zu behandeln versuchen. Viele Worte also heute für und vom Schulleiter und also die ausgleichende Notwendigkeit einer eher wortkargen Phase am späten Abend zu Hause.

Und da war noch ein Körbchen mit 24 roten Säckchen auf meinem Schreibtisch zu finden, deren Inhalt sich über kurz oder lang um meine Hüften ablagern wird…

 

Montag, 03. Dezember 2018:

Wie schön es doch ist, den Ausgleichstag für den Samstag gleich am Montag genießen zu können. Da ist das Wochenende dann doch nicht auf einen Tag verkürzt und zusätzlich haben alle Geschäfte geöffnet. Da bleibt zusätzlich Zeit übrig, für die zweite Kolumne so lange bessere Formulierungen zu suchen und vielleicht noch einen Gedanken einzufügen, bis sie ein Stadium erreicht hat, welches das Hochladen erlaubt. Irgendwann muss ja Schluss sein. Wirklich „fertig“ wird so ein Text (bei mir) nie. Im Gegensatz zu Schriftstellern, muss ich ja alleine arbeiten und entscheiden, kein Lektor schlägt Verbesserungen vor oder kritisiert die Wortwahl, kein Verlagsapparat liest Korrektur.

 

Letztens holte ich einen Döner

Letztens holte ich einen Döner für meinen Sohn und mich. Dabei mochte mein Sohn bis vor kurzem diese schichtweise, an senkrechtem Spieß gegrillte und aus der Türkei stammende Spezialität gar nicht. Ein Schulausflug mit anschließendem Essen an einer Döner-Bude brachte ihn auf den Geschmack. Immer dann, wenn jetzt meine Frau im Kino oder gar auf dem Filmfestival weilt und das Kochen ausfällt, gönnen wir uns einen Döner-Teller mit Pommes und Salat. Als Hintergrund: das Kochen ist mir nicht in die Wiege gelegt. Jeder Handgriff muss bei mir mühsam im Kopf genau gesteuert werden, während es meiner Frau quasi aus der Hand läuft. Wie von selbst agierend, zaubert sie, gerne oder zunehmend vegetarische Mahlzeiten herbei, schneidet etwa die Erdbeeren für das morgendliche Müsli, in der Hand haltend, Richtung Daumen feinmotorisch gekonnt zu. Mir rutschen sie weg, ich zerdrücke sie oder stelle mich anderweitig ungeschickt an. Geschweige denn kann ich abschmecken oder entscheiden, ob das Essen noch eine Brise Salz oder Muskat oder eine andere Finesse aus dem Gewürzregal benötigt. Also nehmen wir Männer die abendlichen Termine gerne hin, wechselten aber von der bisherigen Pizza eben zum Döner.

Mir fällt dabei der „Wienerwald“ meiner Kindheit ein. Es war für mich immer ein besonderes Ereignis, wenn die Familie – die Gründe weiß ich gar nicht mehr – hin und wieder ein Grillhähnchen im Wienerwald essen ging, oder, auch das gab es, wenn mein Vater hinfuhr und die Brathendl, in dickem, beschichteten Stanniolpapier verpackt, nach Hause brachte. Lieber waren mir aber die Ausflüge in die nahe „Gaststätte“. Der grüne Schriftzug steht mir immer noch vor Augen, ebenfalls das davonlaufende Huhn, das vielleicht versuchen wollte, seinem Schicksal zu entkommen. Lange vor der Burger-fast-Essen-Zeit war der Wienerwald das Schnellrestaurant meiner frühen Jahre. Wir saßen dann, je nach Witterung, auf den Biergartenstühlen aus dem typischen Metallgestänge und den einfachen Holzleisten. Es waren, wenn ich mich recht erinnere, die einzigen Gelegenheiten, bei denen wir draußen aßen, unter ausladenden grünen Sonnenschirmen. Ich höre noch genau das charakteristische Knirschen der Schritte im Ohr, wenn die Schuhe auf dem hellen, kleinkörnigen Split auftraten. Ansonsten saßen wir zu Hause am Tisch.

Heute ist im Sommer bei uns die halbe Stadt mit Tischen zugestellt, auf jeden einigermaßen breiten Gehweg passt noch ein kleines Tischchen für den schnellen Kaffee auf dem Weg oder das Eis vor dem Nachhauseweg. Im letzten Jahr noch freie Gehwege sind heuer ebenfalls bestuhlt. Alle scheinen nichts anderes im Sinn zu haben als: Raus ins Freie! Drinnen geht nichts mehr, als ob die Häuser immer noch mittelalterlich dunkel und modrig wären. Lange, sonnenarme Winter, die diesen Solarhunger auslösen, können bei uns, nicht die Ursache sein, anders als in nördlichen Ländern, in denen es monatelang nicht richtig hell wird. Vielleicht hat sich darin auch nur die romantische Sehnsucht nach dem Süden erhalten, ein inniger Wunsch nach sommerlicher „Leichtigkeit des Seins“, lichtdurchflutet und warm, leicht und kurzärmelig bekleidet dem Land verpflichtet, „wo die Zitronen blühen“. Mag sein, dass diese Veränderung auch nur dem Status einer Kurstadt geschuldet ist, denn die Kurgäste und ihre Schatten wollen auch an Wochentagen beherbergt sein für den schnellen oder längeren Kaffee. Ich selbst fröne lieber der Zeit, in welcher die nomadisierend durch die Savannen Umherziehenden in festen Behausungen sesshaft wurden. Diese Phase der Evolution leitete durchaus eine neue Zeit ein. Ackerbau und Viehzucht entwickelten sich. Quasi die Zeitspanne, in der der Wolf zum Hund mutierte. Freilich frühstücken auch wir an schönen Sonntagen im Sommer schon mal draußen „vor der Höhle“, achten dann darauf, dass die Butter nicht in der Sonne steht und der Käse nicht zerläuft. Aber einen „Drang nach draußen“, ein deshalb sehnsüchtiges Warten auf den Sommer entwickle ich dagegen nicht.

Der Wienerwald ist nach einigen Insolvenzen wohl nur noch in Österreich zu finden. Rilke würde schreiben: „Herr, der Sommer war sehr groß“. Vereinzelt gesellen sich zu den Tischen, jahreszeitlich bedingt, die unsinnigen Heiz-Pilze, welche den Unerschrockenen unter den Draußensitzern auch jetzt noch einen Platz im Freien bieten sollen. Andere Trottoirs sind bereits wieder zum Gehen freigegeben, auch vor unserem Dönerladen. Wir beobachten dies mit großer Gelassenheit, denn wir essen den unseren sowieso lieber zu Hause.

 

Samstag, 01. Dezember 2018:

Meine Stadt schlummerte noch zu großen Teilen dem Wochenende entgegen, als sich in an unseren beiden Standorten Schüler- und in Wachenheim auch Elternströme in Richtung Schule bewegten. Der Tag der offenen Tür lockte so manchen früher als sonst aus dem warmen Samstagsbett. Das Fazit vorweg: Es war ein gelungener Tag, der mich der kommenden Anmelderunde gelassen entgegensehen lässt. Auch im aktuellen Schuljahr gab es Gesamtschulen, die ihren neuen Jahrgang nicht „voll bekamen“. Nach dem Tag heute dürfte das auch im kommenden Jahr bei uns kein Problem werden.

In einer ganzen Reihe von Gesprächen hörte ich immer wieder vom guten Ruf unserer Schule, hörte auch immer wieder von wilden Gerüchten, dass man kaum eine Chance hat, an dieser Schule aufgenommen zu werden. Dass in den letzten Jahren immer etwa 70% der angemeldeten ein Platz erhielten, scheint sich dagegen weniger zu verbreiten.

Es macht einfach Freude, unsere Schüler-Taxis erzählend im Haus zu erleben, wie sie ihre Schule aus erster Hand (meist begeistert) beschreiben. Bewegend erlebte ich auch, wie sich die Schülervertretung nach meinen, wieder gut besuchten Kurzvorträgen, vorstellte – eine Mischung aus den Klassen sechs bis dreizehn. Mit welcher Chuzpe stehen sie vor den Zuhörer/-innen und erzählen mit fröhlich aufgeregten Gesichtern von der SV-Tagung, von den Aktionen und vom Assembly, dass es einfach eine Freude ist. Welch eine Gefühlslage stellte sich bei den vielen Zuhörern der Bandklassen, dem Chor und der Bandstarter-AG ein, wenn „die da vorne“ auf der Bühne stehen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Drei von sicherlich Hunderten von Eindrücken, die ich gar nicht mitbekommen konnte, weil selbst eingespannt war in dieser Schulgemeinschaft aus Eltern, Schüler/-innen und Kollege/-innen. Denn eines war vorher so sicher wie das Amen in der Kirche: Der Förderverein würde wieder zur Hochform auflaufen. Dass die dazu notwendigen und immens vielen Einzelheiten so gut vorbereitet sind, das ist schon ein Sahnehäubchen. Allen sei herzlich und mehrfach gedankt, die ihr Scherflein zum Gelingen des heutigen Tages beigetragen haben. Ich weiß das zu schätzen und das ist nicht selbstverständlich. Zufrieden, glücklich und gerührt fuhr ich nach Hause, zurück in die Stadt, die inzwischen für das Adventsgeschäft aufgewacht war.