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April/Mai 2019

 

Mittwoch, 29. Mai 2019:

Die Personalplanung läuft auf vollen Touren, täglich gibt es neue Wendungen und damit verbunden neue Möglichkeiten oder zusätzlich notwendige Veränderungen. Zum Beispiel erreichte mich heute die Anfrage zweier Zuversetzungen. Bei einer habe ich direkt zugesagt, weil die Fächer passen und die Lehrkraft von einer anderen Gesamtschule kommt und bereits mit vielen Einzelheiten vertraut sein dürfte. Allerdings ist die Bewerbung auf eine schulscharfe Stelle erfolgreich gewesen, was uns in Physik große Löcher reißt, die wohl kaum zu füllen sein werden. Immerhin aber habe ich eine kurze Liste mit möglichen Kandidatinnen und Kandidaten erhalten, noch ist also nicht aller Tage Abend. Wir sind also fleißig am Kombinieren, wer kann in welchem Jahrgang was unterrichten, woher kommen die Tutoren, wer „stopft“ welches Loch? Das ergibt bei dem derzeitig offenen Stand noch lange kein fertiges Bild. Dennoch fragen verständlicherweise bereits Kolleginnen und Kollegen an, wollen Gesprächstermine ausmachen, doch ich kann noch kaum etwas über den Einsatz im kommenden Schuljahr sagen, höchstens was gleich bleibt oder fortgeführt wird, alles andere ist noch im großen Topf. Also, Geduld meine Lieben! Niemand wüsste gerne mehr als ich selbst.

 

Montag, 27. Mai 2019:

Untrüglich stehen die Zeichen auf Baubeginn: Heute wurden der alte Container, der als Aufenthaltsraum für die Oberstufe eingerichtet war, in seine vier Elemente „zerlegt“ und abtransportiert. Er geht jetzt auf den langen Weg irgendwo in den Osten der Republik und wird dort saniert. Anschließend soll er runderneuert wiederkommen. Kurz danach tauchte ein Bagger auf und grub lange Gräben welche für das Fundament der beiden kommenden Klassenraumcontainer benötigt werden – immerhin werden diese aufgestockt. Da können sie ja nicht einfach nur auf den Boden gestellt werden.

In einem Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe, was ihnen am meisten fehle und wie man die Besuche im benachbarten Discounter verringern könne, gaben sie als erstes eine Kaffeemaschine an. Durch private Kontakte war heute ein Kaffeemaschinen-Anbieter in der Schule. Schnell kamen wir auf einen grünen Zweig. Künftig wird es in der Mensa einen abgetrennten Bereich am Eingang geben. Dort wird nach den Ferien (so die Planung) vier Sorten Kaffee und einen Kakao geben, alles für 50 Cent. Tassen sollen aus dem Altbestand des Kollegiums kommen – jeder verfügt wohl über eine Sammlung nicht mehr benutzter Tassen, die a) nichts kosten und b) kein Drama beim Verschwinden auslösen. Die Frage bleibt nur: Wie sicher kommen die Tassen in die Mensa zurück? Wie groß wird die Verteilerfläche sein, auf denen sich im Haus benutzte und nicht zurückgebrachte Kaffeetassen tummeln? Deswegen absagen? Auf keinen Fall! Wir sind doch eine Erziehungsanstalt! Apropos Tassen: Als immer wiederkehrendes Verabschiedungsgeschenk für uns verlassende Kolleginnen und Kollegen habe ich 50 Tassen bestellt: Innen mit einem helleren Grün ausgemalt, außen weiß mit unserem dunkleren Schul-Logo. Nach ausgiebiger Feldstudie sprachen sich alle befragten Frauen für diese Farbkombination aus. Ich selbst hätte innen auf goldgelb zurückgegriffen. Aber durch das eindeutige Ergebnis – am Ende stand es wohl 8:1 gegen mich – habe ich mein durchaus eingeschränktes Farbverständnis hintenangestellt. Die Lieferung soll übrigens noch ein gutes Stück vor Schuljahresende erfolgen. Na, dann hoffen wir mal!

Ansonsten finden heute überall im Hause die Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche statt. Die Eindrücke der letzten Jahre könnte ich wiederholen: Wartezimmeratmosphäre auf den Fluren, entspannte Gesichter beim Verlassen der Schule.

 

Donnerstag, 23. Mai 2019:

Da ist so ein Faktum eingetreten: Ein Kollege hat sich auf eine schulscharfe Stelle beworben, hat das Bewerbungsverfahren durchlaufen und ist von der Schule ausgewählt worden. So geht’s eben.

Ich weilte bei der Schulaufsicht, der erste Pas de deux vor dem Computer mit der neuen, für uns zuständigen Referentin. Wer nun erwartet hat, dass die Planstelle des wechselnden Kollegen neu besetzt wird, lag falsch. Ich wurde erneut darüber informiert, dass die Planstellen dem Land „gehören“ und nicht der Schule. Nur wenn die Gesamtversorgung schlecht sei, würden wir sie besetzen können. Hmmm. Nun sieht es aber durch die vielen Kolleginnen in Teil- und Erziehungszeit so aus, dass wir über hundert Stunden Vertretungsbedarf errechnet haben. Das ist ja schon mal ein Pfund! Und dennoch: Zu viele Fragen in Sachen Personal sind noch offen. Die Planung geht erst langsam los. Schauen wir mal, wie wir die vorhandenen Kolleginnen und Kollegen einsetzen können, quasi als erstes Sandkastenspiel, denn von einer fertigen Personalplanung als Voraussetzung für eine komplette Unterrichtsverteilung sind wir noch weit entfernt…

 

Dienstag, 21. Mai 2019:

Mit Spannung erwartete ich heute so etwas wie eine Presseerklärung oder eine Meldung in den Landesnachrichten hinsichtlich der vom Bildungsministerium einzurichtenden Planstellen im kommenden Schuljahr. Hatte ich mich da im Datum geirrt? Jedenfalls war weder Funk, noch Presse etwas zu entnehmen. Dabei mehren sich die Anfragen aus dem Kollegium, wie es denn nach den Sommerferien für sie weitergeht, Knackpunkte sind natürlich die Tutorenstellen in fünf und elf. Aber ich kann alle immer nur vertrösten: Wir wissen noch gar nichts, auch nicht über Zuweisungen oder Versetzungen. Für jede Aussage ist es zu früh. Da müssen wir alle noch warten. Ich bin vielleicht sogar der Neugierigste im Kollegium, weil ich einzelne Planspiele im Kopf habe, die allerdings jeder Basis entbehren. Also, ihr Lieben, lasst uns auf erste Fakten warten.

 

Samstag, 18. Mai 2019:

Heute wird in Rheinland-Pfalz der Verfassungstag begangen. Das erklärt die Fahnen an öffentlichen Gebäuden auch an einem Samstag. Eine Beförderung zum Oberstudienrat anlässlich dieses Tages musste ich allerdings punktgenau gestern vornehmen. Wirksam wird sie aber erst heute, während sie sich finanziell aber rückwirkend ab Monatsbeginn auswirkt. Bürokratie eben, dieses Mal zum Gewinn für den Kollegen. Schön, dass unsere Schule nach vier Jahren wieder mal einen Kandidaten erfolgreich ins Rennen schicken konnte.

Ich machte mich am Morgen auf den Weg zu unserer Labyrinth-Baustelle. Dort begann eine Truppe, bestehend aus Bewohnern des Altenheims, der Lebenshilfe Neustadt, Eltern und Schüler/-innen der IGS, die bemalten Pflastersteine als Begrenzung des Labyrinth-Weges zu legen. Dazu hatte der Gartenbauer bereits am Vortag mittels fünf „Einstechpunkten“ die kreisförmigen Linien ermittelt und aufgesprüht, entlang derer heute die Steine auf (oder in?) einen kleinen Sockel aus Zement gelegt wurden. Welch ein buntes Treiben! Während die einen an den Bottichen zugange waren, knieten bereits andere am Wegesrand und setzten die Steine ein und klopften diese mit einem Gummihammer fest. Hauptsächlich versierte Väter kontrollierten Lage und Höhe der eingelassenen Steine mit Wasserwaage und Lotschnur. Wieder andere machten sich gerade über eine der bereitgestellten Brezeln her, daneben stand ein Vater mit Kaffeetasse, um seinen Rücken während einer kleinen Pause wieder „gerade“ zu kriegen. Ein herrliches Sammelsurium an Eindrücken, ganz großartig!

Mein Blick fiel auf die Feuertreppe des Altenheims, die über drei Etagen reichte. Von dort oben müsste sich doch eine ganz besondere Perspektive zum Fotografieren ergeben. Und tatsächlich, von ganz oben bekam ich die ganze Arbeitsfläche in die Linse. Von hier oben aus werde ich einmal das fertige Labyrinth fotografieren. Allerdings werden dazu noch weitere Treffen notwendig sein, bis alle Wege durch die bunt bemalten Steine gelegt sind. Also weiter Helferinnen und Helfer suchen, ansprechen und motivieren. Dank soll von hier ausgehen, an die, die heute in ihrer Freizeit geholfen haben. Ohne euch hätte dieses faszinierende Projekt nicht schon diese Form angenommen. Mit jubelndem Herzen staunte ich über das Zwischenergebnis. Einfach nur schön!

 

Donnerstag, 16. Mai 2019:

Schade, über zehn Jahre hatten wir Ruhe vor Schmierereien an den Hauswänden. Heute wurden üble Sprüche über Lehrkräfte entdeckt. Gleich stellten wir Strafanzeige gegen unbekannt. Was geht nur in diesen Schmutzfinken vor? Warum haben sie ihren Spaß, mit blöden Sprüchen anonym und feige Lehrkräfte zu verunglimpfen? Hoffen wir, dass es der Einzelfall eines irregeleiteten Menschen war, der irgendwann den richtigen Weg der Kritik wiederfindet.

Die Baustelle wird immer konkreter, die Container sind nun doch für die erste Juniwoche angekündigt. Der Aufenthaltscontainer wird nächste Woche bereits gedreht, er kommt später hoch auf die zweite Etage. Dafür müssen jetzt auf die Schnelle noch Fundamente gelegt werden. Ebenfalls machte ich mit dem Hausmeister einen Gang durchs Deidesheimer Gebäude. Was muss in der bisher nicht genutzten Garage ausgeräumt werden? Fast zehn Jahre hat sich dort alles Mögliche angesammelt. Von nicht mehr benötigten Stühlen, über alte Tafeln bis zu den damals fehlbestellten Deckenpaneelen. Immer wieder wurde gezögert, sie zu entsorgen, man könnte sie ja noch benötigen. Jetzt muss alles raus, damit die Garage noch vor dem Bau gepflastert werden kann. Das fühlt sich also alles sehr konkret an. Ich habe auch vernommen, dass die Bühne über der Zisterne auf jeden Fall kommen wird. Da die Oberfläche sowieso irgendwie mit eingerechneten Kosten angelegt werden sollte, fallen zusätzliche Kosten nicht zu sehr ins Gewicht. Herrlich!

Am Nachmittag fuhr ich nach Mainz ins Ministerium zu einer Auftaktveranstaltung eines ganz besonderen Projektes mit dem Titel Praxis- und Entwicklungsforschung: Gesellschaftslehre (modern abgekürzt als pe:GL). Hintergrund und Notwendigkeit des Anliegens sind schnell erklärt: Das Fach Gesellschaftslehre gilt als das Gesamtschulfach schlechthin und unterrichtet die klassischen Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde in einem integrierten Fach. Seinerzeit kam der Impuls aus dem Wissenschaftsbetrieb, der formulierte, dass die Probleme, die in Zukunft gelöst werden müssen, nicht mehr nur aus der Sicht einer Fachdisziplin gelöst werden können. Vonnöten seien interdisziplinäre Lösungsmöglichkeiten und fächerübergreifende Ansätze. Das Fach Gesellschaftslehre wurde an Gesamtschulen eingerichtet, allerdings ohne eine eigene Fachdidaktik zu entwickeln und ohne dieses Fach studieren zu können. Seit nun mehr fünfzig Jahren unterrichten dieses zukunftweisende Fach nun Lehrkräfte, die in einer der drei Disziplinen ausgebildet wurden. Dies bedingte immer eine Schräglage, denn das Selbstverständnis blieb im Ansatz stecken. Immer wieder durchzieht ein Satz die schulische Wirklichkeit: „Ich habe Geographie studiert und unterrichte nun Gesellschaftslehre“. Das Selbstverständnis müsste aber lauten: „Ich unterrichte Gesellschaftslehre und bringe mein Fachstudium darin ein“. Zwar wurden immer wieder Lehrpläne mit übergreifenden Themen erstellt, aber die Praxis sah eher so aus, dass sich die jeweilige Fachlehrkraft den Aspekt ihres Studienfaches auswählte und verstärkt in die Themen einbrachte. Das schuf Sicherheit und in diesem Bereich herrschte sicherlich auch eine Professionalität in Sachen Fachmethodik und –didaktik. Gesellschaftslehre meint im Grundansatz aber eine interdisziplinäre Vorgehensweise. Als Beispiel führte ich immer das im alten Lehrplan vorgesehene Thema Europäisierung der Welt an. Am Beispiel Südamerika führte das etwa zu folgenden Fragestellungen: Wann und weshalb brachen die Seefahrer seinerzeit auf, um die Welt zu entdecken und wer waren diese (Geschichte)? Welche Routen befuhren sie in welche Länder? Wo liegen die und wie sehen diese aus (Erdkunde, Atlasarbeit)? Wie gingen die Eroberungen, oft mit Feuer und Schwert, vonstatten? Welche wirtschaftlichen und politischen Folgen hatte dies in den Ländern, die bis heute wirksam sind (Sozialkunde)?

In Verbindung mit der Universität Trier sollen nun in einem Prozess von angedacht zwei Jahren mit vierzehn Kooperationsschulen im Land (gemeldet haben sich nur IGSn) folgende Schritte verwirklicht werden: In einem ersten Schritt werden empirisch Erfahrungen und Praxisinhalte erhoben, die dann in einer zweiten Phase in Unterrichts- und Konzeptentwicklung münden werden, um dann drittens in die Lehrerausbildung an einem nachhaltigen Forschungs- und Transferzentrum an der Universität Trier eingebracht zu werden. Heute stellten in Mainz die beiden verantwortlichen Professoren dieses einmalige Projekt vor. Nun gilt es an der Schule zwei Koordinatoren zu finden, die diesen Prozess begleiten und an bereits thematisch feststehenden Werkstatttreffen teilzunehmen. Wir erhielten einen Kooperationsvertrag zwischen der Schule und der Universität Trier, den wir bis Monatsende unterschrieben zurückschicken sollen - in meinen Augen eine einmalige Chance in jedem Lehrerleben, an solch einem Unternehmen mitmachen zu können. Das ist Schulentwicklung und Fachentwicklung pur. Jedenfalls werde ich versuchen, Kolleginnen und Kollegen „anzustecken“, nicht nur, weil ich durch Ansatz, Fach und eigener Praxis über elf Jahre hinweg selbst „brenne“. Dieses Vorhaben ist Schulentwicklung pur, Fachentwicklung konkret und Hilfe im Alltag, die erstmals angegangen wird und auf lange Sicht angelegt ist. Diese gestaltende Einflussmöglichkeit darf doch nicht an unserer Schule vorbeigehen, zumal das Land eine Lehrerwochenstunde anrechnet und eine weitere von der Schule kommen soll!

 

Mittwoch, 15. Mai 2019:

Eine bedrückende Klassenkonferenz musste ich heute erleben. Wenn alle unterrichtenden Lehrkräfte beisammensitzen und nach Möglichkeiten suchen, wie einem Mitglied der Schulgemeinschaft geholfen werden kann, dann sind schon viele Gespräche und Hilfsangebote vorher gelaufen. Auch das Jugendamt war dann schon im Boot, um Erziehung personell zu unterstützen. Bitter ist dann die Erfahrung, dass alles nichts genutzt hat, alle Versuche ins Leere liefen, Hilfsangebote keinen Erfolg brachten und Gespräche fruchtlos blieben. Und dann, irgendwann im Prozess, kommt die Schulordnung ins Gespräch. Alle wissen, dass all die dortigen Maßnahmen letztendlich nur drohen und, an diesem Punkt angekommen, vermutlich ohne Wirkung bleiben werden. Dann heißt es: professionell reagieren und hoffen.

Ebenso tragisch, wenn überhaupt ein Vergleich möglich ist, sind auch die Fälle der Abschiebungen. Auch dann ist alles ausgereizt, richterlich ist die Rückführung beschlossen und dann kann auch Schule nicht mehr eingreifen. In die Härtefallkommission schaffen es an diesem Punkt die wenigsten Schicksale. Da wird ein Staat zum sicheren Herkunftsland erklärt und dann ist Feierabend. Wer erklärt denn mit welchen Untersuchungen und welchen Mitteln und wann ein Land, aus dem Menschen fliehen, zu einem sicheren Land? Per Dekret wird das umgesetzt und dann muss eine Schülerin oder ein Schüler all das zurücklassen, was wir gemeinsam mit ihm aufgebaut haben, von der Sprache bis zur Integration in einer Klasse, die in aller Regel gelingt. Gesteigert wird dies nur noch dadurch, dass, wenn die Verfügung zur Rückführung da ist, im Grunde an jedem beliebigen Morgen die Polizei oder die Ausländerbehörde klingeln kann und dann wird rückgeführt. Da ist es dann vielleicht nicht mal möglich, sich von der Klasse zu verabschieden, in der man sich wohlgefühlt hat, in der man Freunde gefunden hat und vor allem sicher war. Ich wünschte allen, Stammtischen und den Parteien, die in Fragen der Flüchtlingspolitik rigide Haltungen einnehmen und hetzen, einen solchen Fall mitzuerleben. Nur mit Mühe kann ich Gedanken aushalten, die in mir die Situationen der Kinder oder Jugendlichen in ihren sicheren Herkunftsländern ausmalen. Sie gehörten doch zu uns und sind jetzt weg! Einfach wegen einer Unterschrift!

 

Montag, 13. Mai 2019:

In der Schulleitungsrunde berichtete ich heute über die Landesdirektorenkonferenz, vor allem natürlich über die positiven Hinweise der Ministerin hinsichtlich der Personalplanung. Aber auch die Auswertung der Abiturprüfungen schien mir wichtig. Wir sahen während der Tagung eine Grafik mit den Abiturergebnissen aller Bundesländer. Rheinland-Pfalz lag mit einer dicker gezeichneten Linie genau in der Mitte dieser Ergebniskurven. Will also heißen: Die Ergebnisse der zentral gestellten Prüfungen fast der meisten Länder unterscheiden sich kaum von denen in Rheinland-Pfalz. Die Kurven haben einen fast identischen Verlauf und liegen dicht beieinander. Hinsichtlich der angeblich höheren Vergleichbarkeit habe ich mich hier ebenfalls schon öfter ausgelassen. Mit dieser Grafik bestätigte sich mir erneut, dass das Zentralabitur nicht hält, was die Bildungspolitiker immer versprechen! Unser Bundesland hält, als eines der wenigen ohne Zentralabitur, also Schritt. Was soll dann dieses Getue um das Zentralabitur? Wo ist der Mehrwert, wenn ein/e Schüler/in in Mecklenburg-Vorpommern das gleiche Abitur schreibt wie im Bayerischen Wald, aber ganz anderen Bedingungen unterliegt? An den Protesten gegen das diesjährige Mathematik-Abitur, die gerade über die Straßen laufen, ist die Unsinnigkeit noch einmal deutlich geworden. Die einen reklamieren, dass die geforderten Lösungswege nicht geübt waren, die anderen, dass etwa Stochastik im Unterricht gar nicht behandelt wurde. Da unsere Schule bisher ganz nah beim Landesdurchschnitt liegt, mal ein Zehntel drüber, mal eines drunter, können wir auch hier festhalten und alle Kritiker und Zweifler beruhigen: Auch die IGS Deidesheim/Wachenheim kann Schritt halten. Allen sollte erneut bestätigt sein: An der IGS ist das Abitur nicht einfacher und nicht schwieriger, es findet höchstens in anderer Atmosphäre statt. In den Anforderungen sind unterscheiden wir uns jedenfalls nicht von irgendeinem Gymnasium im Land. Eines sei noch vermerkt: Wir wurden nochmals darauf hingewiesen, dass die Passwortschlüssel für die zentrale Aufgabe nicht im Tresor aufbewahrt werden sollen. Der Tresor sei der unsicherste Ort in einer Schule. Besser sei etwa der Ordner mit der Aufschrift „Rechnungen 1967“. Wusste der Referent doch tatsächlich von einer Schule zu berichten, in der binnen drei Monaten zweimal eingebrochen wurde. Tstststs, wie die wohl heißen mag…

 

Freitag, 10. Mai 2019:

Die beiden Tage im Pesch-Haus sind um und ich will versuchen, sie auch etwas ernsthafter zu würdigen. Nach einer etwa halbstündigen Begrüßung und Einführung stand ein Impulsvortrag auf dem Programm mit dem Titel: „Die liberale Demokratie in der Krise? Herausforderungen für Staat, Gesellschaft und Schulen in Zeiten der Digitalisierung“. Mir erscheint bereits eine solche Formulierung alles und nichts zu verheißen. Bei einem Redner, der aus dem wissenschaftlichen Umfeld kommt und Schule, nach eigenem Bekunden, nur durch ein kurzes Gastspiel vor mehr als dreißig Jahren her kennt, kamen die Auswirkungen auf die Schule so gut wie gar nicht vor. Zuhörende waren aber doch alles Schulleiter, die, hoffentlich wie ich, auf einen Vortrag gierten, der Impulse für den Alltag, für Konzepte und für den Unterricht und der Schule in den Vordergrund rückt. Der Ankündigung eines Impulsvortrages kam der Redner also schon mal nicht nach. Neue Tendenzen, Gefahren oder Anregungen habe ich in dieser Stunde des Zuhörens nicht erfahren. Schon mal ein recht dünn ausfallender Beginn. Was dann zwei Tage auf uns herniederging waren Informationen zu Themen wie Abitur 2019, Landeskonzept zur Demokratiebildung, Stand und Vorhaben der Digitalisierung mit einem dazugehörigen Curriculum, schulrechtliche Aspekte und Fragen, in denen wir aber an die Schulaufsicht verwiesen wurden. Alles frontal dargeboten, zum Zuhören verdammt. Einzig der Besuch der Bildungsministerin und ihre Rede zu bildungspolitischen Perspektiven in Rheinland-Pfalz stellte eine herbeigesehnte Abwechslung dar, weil sie persönlich glaubhaft und souverän, in der Rede sympathisch und in der Sache klar und wertschätzend die großen Linien ihrer Politik erläuterte. Damit schuf sie ein gutes Klima für die sich anschließende Aussprache. Das hatte ich bei vorgegangenen Landesdirektorenkonferenzen auch schon ganz anders erlebt.

In einer der letzten Kaffeepausen suchte ich in der Menge die für IGSn zuständige neue Abteilungsleiterin im Bildungsministerium, denn ich wollte ihr unbedingt ein Feedback mitgeben. Bei Besprechungen von Stunden der Referendare lautet eine der Fragen immer: Was ist der Ertrag dieser Stunde? Diese Frage stellte ich nun an die beiden Tage in Ludwigshafen und kam zu einem schlechten Ergebnis. Die Abteilungsleiterin teilte dies und strebt an, dass die Gesamtschulen ein ganz anderes Format benötigen. Das ist schon mal die halbe Miete, denn mindestens eine dieser Veranstaltungen werde ich wohl noch mitmachen.

Ich will aber nicht verschweigen, dass ein für mich wichtiger, schöner und erfreulicher Bestandteil der Tagung das nichtalltägliche Wiedersehen mit vielen bekannten Mitstreitern ist. Inzwischen bin nicht nur ich in die Jahre gekommen und es schmerzt, wenn ich von schlimmen Krankheiten bei von mir geschätzten Kolleginnen und Kollegen höre. Auch so manches Ausscheiden aus dem Dienst ruft bei mir Bedauern hervor. Also kehre ich am Montag gerne in die Schule zurück. Was war das wieder einmal eine anregungsreiche Woche!  

 

Donnerstag, 09. Mai 2019:

Folgendes gilt es nachzutragen: Während der Osterferien wurden am Sekretariat und an meinem Büro neue Türen eingebaut. Die alten waren durch die beiden Einbrüche allzu sehr verschandelt. „Immerhin sind es die beiden Türen, die Besucher als erstes sehen und daher sollen sie auch einigermaßen aussehen“, war die Antwort des Schulträgers auf meinen Hinweis: Das wird doch eh alles abgerissen. Nun sind sie also da, sehen gut aus, gleichwohl sie dünner sind als die alten und an kleineren Scharnieren aufgehängt. Gegen einen weiteren Einbruch werden diese Türen nicht schützen. An allen meinen Bürotüren hatte ich das handgemalte Schild „de Diräkdor“ angebracht, das ich seinerzeit zur Beförderung geschenkt bekam. Es hat vielfach zum Humor und witzigen Bemerkungen beigetragen. Nun war es mit der alten Tür verschwunden. Das konnte nicht sein! Wir telefonierten dem Schreiner hinterher, der sich zunächst, ganz im Sinn des Schildes, zu der Bemerkung hinreißen ließ: „Die Tür liegt auf dem Wertstoffhof. Dort könnt ihr ja mal nachsehen.“ Er hielt seinen Witz aber nicht durch und fügte gleich hinzu: „Nein. Nein. War nur Spaß. Wir haben sie noch hier. Ich schaue mal nach!“ Gestern kam ich in die Schule und da lag es bereits auf meinem Schreibtisch und kurz darauf zierte es wieder meine Bürotür.

Eben diese Tür sah ich heute aber gar nicht, weil ich direkt nach Ludwigshafen fuhr. Auf dem Programm stand, seit langem angekündigt, die zweitägige Landesdirektorenkonferenz, die alle zwei Jahre für alle Schulleiter, an deren Schule das Abitur vergeben wird, stattfindet. Um die zweihundert Schulleiter, dazu Vertreter der Schulaufsicht und des Ministeriums – eine Monsterveranstaltung. Aber sie ist nun mal Dienstpflicht! Ich sagte im Vorfeld des öfteren: Zwei Tage Hintern platt sitzen!

 

Mittwoch, 08. Mai 2019:

Selten beginnt ein Tag für mich in der Kreisverwaltung, aber der Termin mit den Architekten und den Vertretern des Kreises zum Farbkonzept der fertigen Schule, einschließlich der angepassten Landschaftsgestaltung, wurde von zehn auf acht Uhr vorverlegt. Ich kam gar nicht durch den Haupteingang, der um diese Zeit noch verschlossen ist, sondern musste klingeln und anschließend durch den Nebeneingang eingelassen werden. Was dann folgte, war eine Sternstunde in Sachen Bau, wie ich sie nicht für möglich gehalten habe, denn es entspann sich fast eine pädagogisch-philosophische Gesprächsrunde um das vorgesehene Farbkonzept. Immer wieder wendeten wir Gedanken hin und her, bezogen dies und das noch mit ein. Etwa Fragen wie: Wer bringt Leben und Vielfalt in ein Gebäude, die Farben oder die Menschen? Könnte es nicht sein, dass Farben außen nur aufgepinselt sind, innen aber nicht gelebt werden? Gibt es nicht auch in der Schulentwicklung Phasen, die für das eine oder das andere stehen? Wo steht die Schule derzeit? Nach zehnjähriger Existenz und einem festen Platz in der Schullandschaft, ist die Aufmerksamkeit durch Farben vielleicht in den Hintergrund getreten. Lassen dezentere Farben nicht viel mehr Raum für Individualität? Betonen sie nicht gerade die Vielfalt, weil sie diese ermöglichen, befeuern und sich gerade dadurch anbieten? Gerade weil sich unsere Schule mit Lebendigkeit und Vielfältigkeit darstellt: Benötigt sie in dieser Phase nicht viel mehr konsolidierende und ermöglichende Elemente, fernab ab von der Zeit der knalligen Werbung am Anfang? Ich glaube, ich werde die neue Schule lieben. Wir sahen digital angepasste Sitzecken, Fassadenelemente, Elemente, die die langen Flure optisch gliedern und alles in einem Farbkonzept, das sich dann auch bis in die Toiletten erstreckt. Dabei bewunderte ich die Architekten, denn sie erzählten, wie sie bei allen Besuchen in der Schule Schülergruppen auf den kalten Steinplatten arbeiten sahen. So setzten sie eine frühe Idee um, die ich ganz am Anfang in einem Konzept bereits ausgeführt hatte: In Nischen und informellen Bereichen sind feuerfeste und fest montierte – ja, wie soll ich das nennen – Elemente, Stufen, Begegnungsmöglichkeiten eingebaut, auf und mit denen Gruppen arbeiten können, selbst die gläserne Brücke soll eine Art von Fensterbänken erhalten, die kleine Arbeitsplätze schaffen. Da dies alles nicht verrückbar ist und keine Fluchtwege blockieren kann, widerspricht das auch nicht dem Brandschutzkonzept. Das Hemmnis kam dann später: Noch ist die Finanzierung nicht gesichert, denn dies alles ist ganz neu und natürlich nicht in den Bauantrag eingefügt. Wir waren aber fest entschlossen, auch mit Hilfe der Schule oder mit den Beträgen für Kunst am Bau oder sonst irgendwie umzusetzen. Da wurde heute, darüber waren sich alle einig, ein immens spannender Prozess angestoßen. Selten fand ich Architektur derart spannend und tiefgreifend.

Über die Zisterne habe ich ja bereits geschrieben. Sie ist inzwischen vermessen und soll als funktionierender Wasserspeicher erhalten bleiben. Allerdings liegt sie zu hoch im Boden. Nun kann natürlich nicht das Niveau des gesamten Schulhofes wegen der Zisterne angehoben werden. Der Clou: Sie könnte mit einer Bühne überbaut werden, die zu vielfältiger Nutzung einlädt und so zu einem ganz besonderen Sahnehäubchen der Baumaßnahmen werden. Wie herrlich wäre das denn! Aber auch hier: Das war nicht abzusehen und verursacht zusätzliche Kosten, die in keinem Antrag „dargestellt“ sind (so heißt das offiziell). Ich habe angedeutet, dass wir als Schule mit über achthundert Schülerinnen und Schülern plus deren Eltern sicherlich Ideen und Helfertage einbringen könnten, um die Bühne dennoch zu realisieren. Immerhin haben gerade wenige Jugendliche 20 Tonnen Kies für das Labyrinth bewegt und die gesamte Schülerschaft schon mal über zwanzigtausend Euro in einem Spendenlauf gesammelt…

Noch ganz unter dem Eindruck dieser zunächst unspektakulär angedeuteten, dann aber sehr intensiven Sitzung, fuhr ich, fast etwas benommen und weiter Gedanken wälzend, nach Deidesheim. Langweiliger Weise erwartete mich dort schlichter Alltag: Haushaltsfragen, private Belange von Schüler- und Kollegenseite, Telefonate, Schülerzuweisungen, aber latent war die frühmorgendliche Sitzung den ganzen Tag über präsent.

Noch einen besonderen Punkt gab es heute: Ich habe das fertige Kolumnenbuch an den Verlag gegeben. Da sind nun seit November (siehe Eintrag vom 11.11.2018) doch 31 Kolumnen entstanden, so dass ein kleines Buch im Taschenbuchformat daraus werden wird. Diese Augenblicke empfinde ich immer als besonders nachdenklich, wenn ich den Text nach vielen Tagen, Wochen und Monaten des Schreibens, als abgeschlossen deklariere (denn wirklich fertig empfinde ich ihn nie) und „aus der Hand gebe“, dann muss er seinen eigenen Weg beschreiten und ich habe keinen Einfluss mehr auf ihn. Vielleicht gleicht das Gefühl der Stimmung am Bahnhof, wenn der Zug mit einem geliebten Menschen eben abgefahren ist. Dann bleibt nur noch das Winken, der Rest muss sich ohne mich ereignen. Bin mächtig gespannt, ob und wie das kleine Buch angenommen wird.

 

Montag, 06. Mai 2019:

Das Labyrinth-Projekt ist noch in vollem Gange, schon sah die Umsetzung eines weiteren. Es handelt sich um ein Street-Art-Projekt in Gönnheim. Es wurde von außen an uns herangetragen und es geht um das Thema Heimat. Es fand sich erneut eine Gruppe aus Jahrgang 7, die mitmacht. Dazu sind schon länger vier große Holzplatten (knapp vier auf zwei Meter) in weiß grundiert worden. Heute nun stieß ein Künstler dazu, der mit der Gruppe auf die große Fläche der aneinandergestellten Holzplatten eine Weltkarte sprühte. Alle Kontinente sind mit einee Menschenkette verbunden und das Thema soll noch dazu gesprüht werden. Die Gruppe hatte verschiedene Zitate zum Thema Heimat herausgesucht. Die endgültige Entscheidung muss noch in der Gruppe getroffen werden. Ich favorisierte einen abgewandelten Spruch: Heimat ist Weltoffenheit. Warten wir mal ab. Die ganze Aktion musste wegen der Gase im Freien geschehen, die Schulhauswand war abgeklebt und die Sprüher trugen einen Mundschutz. Die Platten werden zum Abschluss in Gönnheim im Außenbereich montiert und ausgestellt. Junge, Junge, das ist die Schule dann wieder ein weiteres Stück in die Öffentlichkeit getreten und bei den Menschen präsent. Schade, dass wir keine regelmäßigen Führungen durchs Haus anbieten können. Die Vitrinen im Obergeschoss sind wieder mit neuen Kunstwerken bestückt worden und ich komme aus dem Staunen nicht heraus, zu welchen Kunstwerken unsere Schülerinnen und Schüler in Kunst, sei es im Regelfach, sei es im Wahlpflichtfach fähig sind. Einmalig!  

 

Freitag, 03. Mai 2019:

Das waren ja dann doch fast Osterferien wie gewohnt. Wir weilten knapp eine Woche auf einer Nordseeinsel und auch daheim blieb noch Zeit für dies und das. Kein Hausmeister, keine Polizei und keine Schulaufsicht meldete sich wegen irgendwelcher Vorkommnisse. Seltsam war nur das Erlebnis, dass das Ende eigenartig und ungewohnt zerfranst war: Es gab Schulen, die fingen zwei Tage vor uns an, dann kamen wir mit Unterricht gestern und heute, während andere Schulen auch noch diese beiden Tage frei hatten und Schüler zum Teil als Besucher in Deidesheim auftauchten. Da haben sicherlich einige Eltern ihre Probleme mit der neuen Regelung, ihre Kinder unterzubringen. Wie viele Familien müssen unterschiedliche Regelungen ausgleichen oder Betreuung organisieren, weil sie Kinder an verschiedenen Schulen haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Auswirkungen angemessen beachtet wurden.

Gestern war es einfach spannend, ganz individuelle Urlaubsgeschichten im Kollegium zu hören, die von Skifahrten bis zur Mannheimer-Adler-Meisterfeier reichten. Einbezogen sind dabei noch nicht diejenigen Berichte von Schülerinnen und Schüler. Ich kann in einer ersten Stunde nach den Ferien nicht einfach so beginnen wie an einem normalen Wochentag. Ich will wissen, was die Kinder erlebt haben. Das Urlaubsgepäck mag ausgeräumt sein, aber dieses und jenes Erlebnis kann sich noch in den Rucksäcken der Kinder befinden und sich heute auswirken. Stets frage ich (auch als Nicht-Tutor), wer in den Ferien etwas Besonderes erlebt hat. Da gibt es dann doch immer auch ernsthaft traurige Geschichten, etwa, dass die Schildkröte verstorben ist, dass der Hund weggelaufen war, dass sich Eltern getrennt haben und anderes mehr, was Kinderherzen bewegt und sich bis in den Unterricht hinein auswirken kann. Einmal ausgesprochen, trägt es vielleicht dazu bei, (mit)geteiltes Leid zu sein. Die meisten Erzählungen beziehen sich aber auf harmlosere Erlebnisse mit der Oma oder den Eltern, so dass es für die meisten Schülerinnen und Schüler ganz normale Familienferien waren.

Gestern Abend dann, gleich am ersten Schultag, Sitzung des Fördervereins mit positiven Berichten von der Abiturfeier. Bis auf Kleinigkeiten hier und da hat alles bestens geklappt und es war wieder einmal ein gut organisierter Einsatz des Vereins. Besonders freute mich die Rückmeldung, dass die Zwölftklässler einen guten und zuverlässigen Dienst hingelegt haben. Danke allen und Kompliment!  


Donnerstag, 18. April 2019:

Gab es schon mal drei Assemblys an einem Tag? Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich glaube nein. Begonnen haben wir in Deidesheim. Eine neu zusammengesetzte Gruppe zeichnete dafür verantwortlich, nachdem einige aus der Oberstufe abgegangen waren. Sehr früh haben mich die Schülerinnen aus Jahrgang sieben (!) eingebunden. Nach einem Jahr, in welchen das Deidesheimer Assembly nicht gut lief, hat es neues Leben eingehaucht bekommen und mich erneut begeistert. Als erstes stellten sich die neuen Schülervertreter vor, anschließend berichtete ich davon, wie der Abriss in und der Neubau nach den Sommerferien geplant ist, wo die Zugänge zum Gebäude verlaufen werden und wohin der Schulhof verlegt wird. Als ich erwähnte, dass der Alla-Hopp-Platz auch während der Pausen als Schulhof deklariert würde, brandete sogar Applaus auf. Ich betonte aber sogleich, dass wir dafür die Verantwortung jedes einzelnen Schülers und jeder Schülerin benötigen werden. Immerhin wurden durch vorunterrichtlichen Blödsinn auf der Bewegungsanlage bereits zwei gebrochene Handgelenke und eine aufgerissene Ferse im Sekretariat gemeldet. Ich bin da guter Dinge und glaube, mit unseren Kids kriegen wir das hin. Weitere Punkte von Schülern schlossen sich an: ein Bericht der Madrid Fahrer mit Bildern, der Frankreichaustausch und die Skifreizeit. Da haperte es etwas, denn der vorgesehene Film lag nicht im richtigen Dateiformat vor. Aber das passiert auch Profis schon mal, so dass dies dem durchweg guten Eindruck bei mir keinen Schaden zufügte.

In der fünften und sechsten Stunde folgte je ein Assembly für die beiden Jahrgänge in Wachenheim. Bei den Fünfern stellten wir alle 28 eingereichten Vorschläge für das Jahrgangslogo der neuen Fünfer vor. Die Versammlung wählte fünf davon aus, die in die nächste Runde kommen und jetzt in einer Fachjury besprochen werden, aus der dann das Siegerlogo hervorgehen wird. Es schloss sich wieder eine von der Schülervertretung vorbereitete und durchgeführte Talentshow an. In Jahrgang sechs fiel die Logowahl weg, es blieb dort ebenfalls bei einer Talentshow. Da sich auch hier der Teufel in der Technik versteckte, musste ich spontan mit zusätzlichen Liedern einspringen. Da konnte ich in beiden Jahrgängen natürlich auf meinen Musikunterricht zurückgreifen. Da ist dann doch das gemeinsame Singen als eine eigene Kultur herangewachsen, was mich natürlich sehr freute.

Zurück in Deidesheim konnte ich mit der Juristin der Schulaufsicht die Widersprüche im Aufnahmeverfahren klären und drei zurückgegebene Plätze in Absprache besetzen. Und dann wartete ich auf die Osterferien, was diesmal so aussah, dass ich durch einen Unterrichtsbesuch bei einem Referendar mit anschließender Besprechung auch bis vier Uhr in der Schule weilte. Da hat mich dann die Neuregelung, dass der Stundenplan auch an letzten Schultagen bis „zum bitteren Ende“ durchgezogen werden muss, selbst erreicht. Es ging in der Stunde bei der Musik der Renaissance um das „sicut versus“ von Palestrina. Die Stunde war so gut vor- und didaktisch aufbereitet, dass sie mich weit tiefer als im Kopf ansprach und ich dazugelernt habe. Ganz runde Sache!

Und dann fuhr ich schließlich vom Parkplatz und hinein in die Osterferien, von denen ich hoffte, dass kein Brand, kein Einbruch und keine sonstigen Überraschungen eintreten werden, denn ich hatte mich für die Ferienvertretung gemeldet.   


Mittwoch, 17. April 2019:

War gestern ein Tag des Redens, verlief der heutige ruhiger und zum Teil als Zuschauer. Vertretungshalber nahm ich an einer Unterrichtsmitschau teil, was zum einen deshalb interessant ist, weil ich die Referendare in ihrem Unterrichtsverhalten kaum erleben kann. Zusatztermine, um einfach mal vorbeizuschauen, ergeben sich in der Regel nicht. Also machte ich mich auf den für mich ebenfalls nicht alltäglichen Weg in die Sporthalle und wohnte der Einführung eines speziellen Schlages beim Badminton bei. Erneut erlebte ich eine Sportstunde, wie ich sie selbst nie erlebt habe. Da hat die Didaktik Großes geleistet, wie mir scheint. Ich erlebte auch, wie Inklusion in einer Sportstunde gelebt werden kann. Der Sportfachleiter erinnerte sich direkt an mich. Er sei mir bei der Betreuung eines früheren Referandars bereits einmal begegnet. Ich hatte mit ihm nichts mehr verbunden oder abgespeichert. Zu viele Menschen füllen offensichtlich meinen Alltag, um sie als bekannt abzuspeichern. Immerhin lag die einzige Begegnung schon Jahre zurück und vielleicht merkt man sich einen Schulleiter doch einfacher, so will ich mich mal rausreden.

 

Dienstag, 16. April 2019:

Ein mir bekannter Tagesbeginn: Ich fahre nicht in die Schule, um nicht durch irgendwas oder irgendjemand aufgehalten zu werden und dadurch unpünktlich zu sein. Ich steuere gleich die katholische Pfarrkirche in Deidesheim an, denn dort startet der Tag mit der interreligiösen Schulfeier. Wie bei den letzten Malen auch, war ich dadurch zu früh, was ich aber brauche und auch dieses Mal wieder genoss, denn ich erlebte die letzte Probe des Chores in der leeren Kirche, hatte für mich Zeit zur Einstimmung und Sammlung. Mir fiel wieder die Aufgabe zu, die einzelnen Inhalte zu moderieren. Zum Thema Vorbilder hatten Schülerinnen und Schüler wieder Beiträge vorbereitet, die aber durch eine Überleitung miteinander verbunden werden mussten.

Und dann wurde es wieder laut. Keine Chance, die über 400 Jugendlichen zum leisen Betreten der Kirche zu ermuntern. Aber, das nehme ich immer wieder begeistert zur Kenntnis: Wenn ich von vorne als Ruhezeichen die Hand hebe, wird es ruhig. Zunächst dauert es einige Zeit, aber dann ist es wieder klar und es funktioniert. Die Kurse hatten sich mit unterschiedlichen Vorbildern befasst. Malala Yousafzai wurde in den Blickgenommen, die trotz der Misshandlung und einer schweren Verletzung durch die Taliban für Verständigung und Frieden eintritt. Ebenfalls immer noch aktuell: Vorbilder aus der Zeit des Nationalsozialismus. Leider stammten alle Beiträge dieses Mal aus katholischen Religionskursen, was dem ursprünglichen Gedanken, zu bestimmten Themen die Weltreligionen zu befragen, etwas aus dem Blickfeld rückt. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass die Feier auf mehr Akzeptanz stößt, seit wir die Wachenheimer und Deidesheimer zeitlich auseinandergezogen haben.

Am Nachmittag sollte nochmals eine Beanspruchung folgen. Zunächst hatten wir eine Dienstbesprechung anberaumt, weil sich zehn einzelne Informationen angesammelt hatten. Zunächst informierte ich das Kollegium über den geplanten Bauverlauf ab den Sommerferien mit den anstehenden Tücken wie etwa Räumung der betroffenen Klassensäle am letzten Schultag. Weiter standen Teamzeiten, Informationen zum Wahlpflichtfach, Verteilung der Anrechnungs- und Entlastungsstunden sowie die Neuregelung der Anträge an den Förderverein und Haushaltsfragen der Fachkonferenzen auf der Tagesordnung. Anschließend versuchten wir Konzeptionelles in einer Gesamtkonferenz voranzubringen. Darunter fiel der Leitfaden zur Beantragung von Fördergutachten, die geplanten Lerneingangstests in Klasse 5, Methodenkonzept und Stand der Arbeit in der Arbeitsgruppe Differenzierung.  Immer wieder kommen dann doch Diskussionen auf, die zunächst einmal hemmen und zu einem zähen Verlauf führen. Dennoch haben wir auch diese reichhaltige Tagesordnung fast durchbekommen. Will zusammenfassend heißen: Ich hatte heute Aufgaben, bei denen es viel zu reden gab.

 

Dienstag, 09. April 2019:

Wie lange war ich nicht mehr am Leininger Gymnasium in Grünstadt? Muss eine Frist in Jahren gemessen sein, denn vom Schulträgerausschuss kannte ich unter dem Tagesordnungspunkt „geplante Baumaßnahmen“ den Plan für einen Windfang am Haupteingang. Als ich heute zur Dienstbesprechung mit der Schulaufsicht dort ankam, konnte ich bereits das fertiggestellte schmucke Stück betrachten. Inhaltlich stand nichts Spektakuläres an, außer der Vermutung, dass die Wirkung des roten Sparstiftes, die mich seit meinem Dienstbeginn 1992 nie verlassen hat, weiter und noch schärfer gezogen wird. Wenn man die gesellschaftliche Entwicklung betrachtet, den überall beklagten Facharbeitermangel hinzuzieht, die Anforderungen, welche die Zukunft an die nächste Generation stellt, dann ist einfach nicht nachzuvollziehen, dass der Bildungssektor immer wieder beschnitten wird. Sparen ist hinsichtlich der überschuldeten Haushalte sicherlich notwendig. Wenn es aber kurzsichtig oder an den falschen Stellen geschieht, bekümmert es mich doppelt. Und der Schulbereich wäre so notwendig zu unterstützen, um den Kindern und Jugendlichen Kompetenzen vermitteln zu können, die sie heutzutage oft nicht mehr mitbringen. Sich dann um Planstellen in diesem Ausmaß streiten zu müssen, erschließt sich mir einfach nicht. Da gab es aber heute zu hören, dass die Situation im kommenden Schuljahr durch Maßnahmen, die das Land vorgibt, noch angespannter sein wird. Bedrückt fuhr ich nach Hause, denn 22. Mai erwartend, denn an diesem Tag soll die Landesregierung die Zahl der zur Verfügung stehenden Planstellen für das kommende Schuljahr bekanntgeben.

 

Mittwoch, 03. April 2019:

Die Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendamt und damit verbunden ein Kooperationsvertrag hinsichtlich der Schulsozialarbeit an der Schule ist ein glücklicher Umstand, der seit der Gründung der Schule eine sehr hilfreiche Unterstützung darstellt. Auch wenn wegen Mutterschutz schon mal eine Lücke entstand, die erst nach einem halben Jahr, und dann auf eine halbe Stelle verkürzt, geschlossen wurde. Wenngleich die Stundenzahl insgesamt ab kommenden Sommer reduziert wird, unsere Schule ohne Schulsozialarbeit ist kaum vorstellbar. Wie hilfreich findet sie, das Kollegium und die Schülerschaft unterstützend, statt, denn die Arbeit in einer Schule verlangt in immer stärkerem Ausmaß eine sozialpädagogische Unterstützung oder gar Erziehungsarbeit. Dabei stehen nicht nur Projekte in verschiedenen Klassen auf dem Plan, vor allem ist eine zusätzliche Anlaufstelle mit kurzfristig erreichbaren und von der Schule unabhängigen Vertrauenspersonen für alle problembeladenen Schülerinnen und Schüler geschaffen. Was dies wert ist, weiß nur, wer es erlebt. Das können erstellte Konzepte gar nicht ausdrücken. Heute jedenfalls haben wir diesen Kooperationsvertrag für weitere zwei Jahre unterschrieben.

 

Dienstag, 02. April 2019:

Dass ich am Geburtstag in die Schule muss, ist schon eine dienstliche Besonderheit, denn dieser lag all meine Dienstjahre fast immer in den Osterferien. Dass an diesem Tag auch noch ein Besuch der Schulaufsicht wegen eines Kolloquiums liegt und ich daher die Geburtstagswünsche von der neuen, für uns zuständigen Schulaufsichtsbeamtin persönlich entgegennehmen konnte, ist noch mal ein Novum. All das geschah heute. Davor lag noch ein Gesprächstermin mit dem Jugendsachbearbeiter der zuständigen Polizeidirektion. Den allerdings kenne durch eine ganze Reihe anderer Begegnungen und er wusste auch nichts vom Geburtstag. Da hatte ich mir den Kaffee am Nachmittag im Kreis der Familie doch redlich verdient.