Schulleiters Tagebuch

Tag 483 der Baustelle

Wie beschrieben, startete die neue Woche mit einer erneuten Durchsage hinsichtlich des Abstandsgebots und der Maskenpflicht auf dem gesamten Schulgelände, nun auch während des Unterrichts. Ich selbst erlebte heute die erste Doppelstunde unter der Maske. Nicht schön. Ich bekomme schlecht Luft, die Stimme ist angestrengter, weil sie lauter agieren muss, die Schülerinnen und Schüler sind schlechter zu verstehen und ich blicke in keine fröhlichen Gesichter, wenn ein Witz sich hinter der Maske nach vorne drängt. Vom nicht erlaubten Singen ganz zu schweigen. Zum Glück habe ich auch das Kranichlied jetzt als MP4-Video, das kann das Lied zwar in den Klassenraum holen…aber live gesungen wäre es schon ein gutes Stück besser.

Tag 479 der Baustelle

So, die Decke im ersten Obergeschoss ist drauf und dicht. Die zuvor hellen Fensteröffnungen sind dunkel, da wird wohl kommende Woche betoniert werden.

Ein erster Missbrauch des IServ-Messenger liegt vor. Drei Schülerinnen und Schüler haben darauf nicht sehr inhaltsreiche Nachrichten verschickt. Da wollte ich gleich einen Riegel vorschieben, denn dieses Modul dient nicht zum persönlichen Plappern während der Unterrichtszeit, sondern ist dem rein schulischen Kontakt vorbehalten. So steht es auch in den Nutzungsbedingungen, die alle unterschrieben haben. Es stellte sich aber dann heraus, dass die Nutzung während der IServ-Schulung nur einmal ausprobiert werden sollte. Na denn, hoffen wir mal, dass es so bleibt und meine Intervention die Ernsthaftigkeit deutlich gemacht hat.

Tag 477 der Baustelle

Was bin ich stolz auf unsere Schülerschaft, dass die neuen Container bisher ohne Schmierereien dastehen. Umso mehr ärgerte mich heute ein Schriftzug im Durchgang zum Hof und zwar nicht nur ein Schriftzug in Manier der Graffiti-Künstler, sondern eine Schmiererei mit Namen einer Lehrkraft. Das geht schon gar nicht. Gleich sagte ich den Hausmeistern Bescheid, die dann mit Farbeimer und Pinsel (oder Rolle?) die Untat überstrichen. Wir wollen damit auch verdeutlichen, dass wir dies nicht dulden. Die Frage nach einer Anzeige wegen Sachbeschädigung ist noch nicht beantwortet!

Tag 475 der Baustelle

Demnächst steht als größeres Projekt an, dass alle Schülerinnen und Schüler mit IServ eine Videokonferenz bedienen können. Dazu hat das fleißige Medienteam einen genauen Plan für alle Jahrgänge und Klassen erarbeitet, wir hatten dazu insgesamt fünfzehn passende Elternbriefe geschrieben, die nun kopiert und ausgegeben werden müssen.

Als erstes machte ich aber heute Morgen eine Durchsage an alle, wies angesichts der erhöhten Infektionszahlen auf die Maskenpflicht, auf das Abstandsgebot und den dadurch nochmals deutlicher aufgeteilten Pausenhof hin. Ich weiß ja auch nicht, ob das alles hilft, aber besser ein Hinweis mehr, als es einfach laufen zu lassen. Für die Schülerkolonnen, die ich morgens auf dem Weg vom Bahnhof beobachte, scheint alles nur ein Spiel zu sein. Ich erblicke im Vorbeifahren nach wie vor wenige Masken, sehe eng beieinander laufende Schülergruppen und stelle mir vor, wie das in den vollen Zügen und Bussen wohl „abgeht“ – muss ein Fest für das Virus sein!

Tag 470 der Baustelle

Gottlob sah ich die Nummer des Gesundheitsamtes die ganzen Herbstferien nicht aufleuchten. Es blieb also ruhig und keine weitere Infektion stellte sich ein und die Zeit der Quarantäne ist ja auch bereits abgelaufen.

Bereits seit einiger Zeit haben wir den diesjährigen Tag der offenen Tür abgesagt, das Infektionsgeschehen ließe ihn nur...

Tag 458 der Baustelle

Der letzte Schultag vor den Herbstferien hatte es dann doch in sich und endete überhaupt nicht so, wie ich gedacht hatte. Außer einem Unterrichtsbesuch bei einer Referendarin in der 5. Stunde mit anschließender Besprechung hatte ich nichts im Terminkalender stehen. In der Besprechung bemerkte ich erneut, wieviel mir zu der eben gesehenen Stunde einfiel, obwohl ich weder fachlich noch didaktisch darin ausgebildet bin. Dafür habe ich über dreißig Jahre Unterrichtserfahrung „auf dem Buckel“ und das, so scheint mir, ist manches Mal sogar die größte Hilfestellung. Wie auch immer, ich spürte das Handy, das während des Unterrichtsbesuchs zweimal vibrieren. Den Klingelton hatte ich ausgeschaltet. Kaum auszudenken, wenn während dieses Unterrichtsbesuchs „Eine Insel mit zwei Bergen“ erklingen würde. Ich lugte auf das Display – die angezeigte Nummer sagte mir aber nichts, der Rückruf musste also warten.

Tag 456 der Baustelle

Das war heute so ein Tag, der völlig anders verläuft, als es sich beim Frühstück noch abgezeichnet hat. In meinem Kalender standen keine Termine, was normalerweise einen eher ruhigeren Tag verspricht. Und dann vergehen die Stunden gefüllter als gedacht, weil doch der Alltag mit seinen vielen Themen unverhofft in die freie Zeit hineindrängt. Das sind dann in der Regel keine großen oder spektakulären Inhalte, aber viele Kleinigkeiten, die in summa eben einen Vormittag auch füllen können, zumal in Zeiten von steigenden Infektionszahlen und personellen Veränderungen. Eingeladen hatte ich noch Schülerinnen und Schüler aus dem Vorstand der Schülervertretung. Sie sollten mir den Podcast über den Klassenrat mit dem Schülerparlament und der Arbeit der Schülervertretung ergänzen. Schöne Minuten im Büro, mal nicht mit den „Kleinen“, sondern mit kommenden Abiturienten, sehr schön.

Tag 449 der Baustelle

Ja, die Musikstunde, die ich heute in Wachenheim durchführte, gab es schon ein paar Mal in den letzten Jahren: die Kinder sollten, nachdem wir den Text von Das Rap-Huhn rhythmisch im Chor gesprochen hatten, in Gruppen präsentieren. Die Reihenfolge wurde mit dem Würfel von einer Schülerin ermittelt. Die Präsentation verlief in mit drei inhaltlichen Schritte: Vorstellen der Gruppe und Aussage über die Zusammenarbeit, das eigentlich Vorführen und das Einholen von drei positiven Rückmeldungen und drei Verbesserungsvorschläge aus der Klasse. Die Klasse übernahm während der Präsentation die Beobachtungsaufgaben: Wie verständlich ist der Text vorgetragen? Ist der Rhythmus des Raps eingehalten? Gibt es eine besondere Choreografie? Wie steht die Gruppe vorne? Und dann laufen die neunzig Minuten wie von selbst.

Tag 455 der Baustelle

Wieder ein Tag fast ausschließlich im Büro, der große Elternbrief drängt. Ich ließ schon vor dem Unterricht den Kopierer heiß laufen. Ab Klasse neun ging er gestern schon raus, nun sind die jüngeren Jahrgänge dran. Daneben immer wieder Rücksprache, wie wir die Schülerschaft in Etappen möglichst schnell in IServ einbinden können, denn immerhin wird es um über achthundert Emailadressen und Passwörter gehen, dazu das Knowhow mit einer Einführung vermitteln – eigentlich eine Mammutaufgabe, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Auf der anderen Seite ist die Zeit vor den Herbstferien sehr beliebt für die ersten Klassenarbeiten. Da ist genaue Planung vonnöten.

Tag 453 der Baustelle

So kann es gehen: Eigentlich erwartete ich einen gemütlich stillen Vormittag ohne Termine. Wie schon öfter stellte er sich allerdings nicht ein. Da schneien Mails ins Haus, die beantwortet werden müssen, da will der Kreis oder die Schulaufsicht erneut aktuelle Schülerzahlen haben, da funktioniert das Ganztagsportal nicht, da klingelt das Telefon und schwupp ist der Vormittag vorüber.


Die bisher erschienen Bücher sind erhältlich im: www.littera-verlag.de/Bücher
(Das Autorenhonorar kommt dem Förderverein der IGS zu Gute.)

Letztens 2 Soeben erschienen:
„Letztens 2 - ,
Erlebtes rund um die Schule“
2020

Tagebuch 5
„Schulleiters Tagebuch 5,
Warten auf den Bau“
2017 – 2019

Letztens 1 „Letztens –
Schulleiters Tagebuch ergänzende Kolumnen“

tagebuch_4_ "Schulleiters Tagebuch 4,
Der Weg zum Abitur
2014 - 2017"

Tagebuch 1-3"Deshalb IGS -
Positionen und Hintergründe zur Integrierten Gesamtschule mit Beiträgen aus Schulleiters Tagebuch 1 bis 3"

Tagebuch 3 "Schulleiters Tagebuch 3,
Die ersten Abschlüsse,
2012 - 2014"

Tagebuch 2 "Schulleiters Tagebuch 2,
Der Start in Deidesheim,
2010 - 2012"

Tagebuch 1 "Schulleiters Tagebuch,
Der Start in Wachenheim,
2010 - 2012"