Schulleiters Tagebuch

Tag 78 der Baustelle:

Natürlich hatte ich mit dem Schulleiter vereinbart, dass ich nicht zur ersten Stunde in der Schule sein müsse. Als ich später dann ankam, war gerade der Kreisvertreter mit einem besonderen Reinigungsmittel da und kippte es in die Putzmaschine. Gespannt warteten wir auf das Ergebnis. Beileibe nicht zufriedenstellend. Ich fuhr dann zur Bank, um die Rechnung an die YA zu überweisen, immerhin knapp 7,000 Euro. Rechnet man die weiteren Unkosten hinzu wie Mittagessen, Getränke, Würstchen und dergleichen mehr, werden nicht ganz neuntausend Euro umgesetzt. Und da ist der Förderverein noch nicht mit eingerechnet.

Tag 77 der Baustelle:

Eigentlich sollte ich den Sonntagvormittag „YA-frei“ haben. Außerdem hatten sie sich erst für halb elf angemeldet. Doch schon nach dem Aufwachen sah ich, dass eine SMS auf meinem Handy blinkte. Eine Gastmutter hatte mir geschrieben, dass auch bei ihrer Amerikanerin die Pusteln aufgetreten seine. Da deren Eltern wohl Ärzte seien und sie zu Hause angerufen hatte, forderten die Eltern, dass sie einen Arzt aufsuchen solle. In der Nacht zu einem Sonntag? Sie einigten sich darauf, bis zum Morgen zu warten. Und dann die gleiche Auskunft: Allergie und auch wieder diese Bettwanzen, von denen ich noch nie gehört hatte!
Wir versuchten die Company-Managerin zu erreichen, die solle als Verantwortliche die weiteren Schritte entscheiden. Und dann später der Anruf meines Kollegen: Noch zwei weitere YA hatten diese Pusteln. Sie führen jetzt in die Hautklinik nach Mannheim, um Klarheit zu erlangen. In vier Familien gleichzeitig Bettwanzen? Sehr unwahrscheinlich, dann doch eher der Bus. Ich hielt mich bereit und tatsächlich klingelte das Handy kurze Zeit später und ich musste nach Wachenheim. Allerdings gab es nicht viel zu regeln, aber meine Anwesenheit war vielleicht der beruhigende Punkt. Auch die Klinik diagnostizierte nichts Anderes. Eine weitere Gastmutter erklärte sich bereit, dass die inzwischen vier Studenten bei ihr duschen könnten und sie auch alle ihre Kleider waschen und trocknen würde. Ein Ratschlag aus der Hautklinik. Was würden wir nur ohne diese Eltern anstellen! 

Tag 76 der Baustelle:

Da ich den Samstagvormittag als Verantwortlicher übernommen hatte, war ich früh auf den Beinen und schloss schon um halb acht Uhr die Gittertüren zum Schulhof und die Halle auf. Wieder konnte ich die Aufwärm- und Dehnübungen bestaunen, die diese jungen Menschen da vollbrachten. Bei einigen Bewegungen und „Verrenkungen“ fiel mir nur der Begriff „Schlangenmensch“ ein. Wahnsinn, wie weit man ein Bein ausgestreckt an den Körper ziehen kann!

Auch unsere Kids „tropften“ langsam und noch etwas verschlafen in die Halle. Vermutlich ein Dorn im Auge eines jeden YA. Sie wurden sofort angestachelt und integriert – wie immer bei lauter und bassbetonter Musik. So war ich fast froh, dass ich draußen nach den Mülleimern schauen konnte, kehrte auch um die Tischtennisplatten Laub und Papier zusammen, sammelte verteilte Flaschen in die Kästen, wischte hier einen Biertisch ab, stellte dort die Bank gerade, leerte die blauen Müllsäcke, legte einfach Hand an bei dem, was mir auffiel.

 Tag 75 der Baustelle:

Den Ablauf kenne ich bestens: morgens richten die YA die Halle ein und „stecken“ die Bühne ab. Zuvor haben zwei Hausmeister ab sieben Uhr die Tribünenteile schon aufgebaut. Ich meine festzustellen, dass es erst der zweite Workshop dieser Truppe in der Herbst-Tour 2019 ist, denn im Gegensatz zu den Jahren zuvor, weiß noch nicht jeder „im Schlaf“, wo welche Box steht, wohin diese Kiste soll und wo die Mikrofonständer stehen sollen. Sieht alles noch etwas ungeübt aus. Gerade die Perfektion des Aufbaus hat mich die Jahre zuvor immer wieder fasziniert. Und erste Probleme gibt es zu bewältigen. Das Päckchen mit der neuen Tastatur, welches die YA seit Tagen erwarten, ist bisher nicht an der Schule angekommen. „George, do you have any Keyboard? Can we use it?“ Aber sicher doch, antwortete ich und holte eine Tastatur aus dem Computerraum. Später dann: „George, we can’t print. Can we try it in your office?“ „We can try it“, lautete jetzt meine Antwort. Ein Dokument, auf einem amerikanischen Laptop der Marke Apple, in Wachenheim getippt, auf einen privaten USB-Stick gezogen und am schuleigenen Gerät ausdrucken? Ob das funktioniert? Doch ohne allzu große Tricks konnte ich die PDF-Datei öffnen und der Drucker spuckte das entsprechende Dokument aus. Faszinierend.

Tag 74 der Baustelle:

Die Young Americans sind da! Fast Schlag sechs Uhr bog der Bus auf den Parkplatz eine. Zuvor hatte ich kaum Gelegenheit, alle Gastfamilien abzuhaken. Welch ein Wiedersehen: Als erstes schloss ich die Busfahrerin in die Arme. Wir bekamen das Zählen nicht exakt hin, aber sie ist zum vierten oder sogar fünften Mal hier. Und die sympathische Company-Managerin! Mit einem herrlichen Lächeln und dem typischen „Hi, George!“ begrüßten wir uns. Noch bevor die Gastfamilien ihre Gäste verteilt bekamen, wollten sie, der Stage-Manager und der künstlerische Leiter, die Halle sehen. Vermutlich kehrt erst dann Ruhe in ihnen hinsichtlich des kommenden workshops ein.

Tag 72 der Baustelle:

Hervorstechender Termin war heute sicherlich das 33. Bau Jour Fixe, das erste, an dem ich nach den Sommerferien teilnehmen konnte. Vor allem ging es heute um die Anforderungen an die einzelnen Türen.

Tag 71 der Baustelle:

Die E-Mails zwischen der Company-Managerin der diesjährigen YA laufen inzwischen fast täglich hin und her. Vermutlich ist ihr nicht ganz klar, dass dies mein fünfter Workshop sein wird und wir eine ganze Menge an Vorwissen mitbringen. Ich leite diese Auffassung von nahezu selbstverständlichen Detailfragen ab, die sie mir schriftlich stellt. Aber vielleicht ist das alles eine Frage der professionellen Sicherheit. Niemand sollte fragen können: „Ja, hast du das nicht vorher mit der Schule geklärt?“.

Währenddessen gehen die Anmeldungen immer noch schleppend ein. Wir haben die einhundert noch nicht überschritten ....

 Tag 67 der Baustelle:

Mein elfter Gliederungsplan ist fertig. Wieder war er innerhalb der Unruhe und der nicht störungsfreien Bürozeit nicht zu bearbeiten. Mehrere Abendstunden im Home-Office waren nötig. Verzweifelt blickte ich immer wieder auf eine nicht zu beseitigende Fehlermeldung, obwohl ich mich mehrfach an die mitgelieferte Detailanleitung hielt. Ein Anruf bei der Schulaufsicht konstatierte einen Programmierfehler, auf den bisher angeblich nur ich gestoßen sei, „Vielen Dank für das tiefe Einsteigen in den Leitfaden“, erntete ich als Lohn.“

Tag 65 der Baustelle:

Das „Energieprojekt Stadtradeln“ ist abgeschlossen. Die Kommune Deidesheim „erradelte“ 30.314 Kilometer. Mit 2.996 Kilometer belegt das Team IGSDEIWA den dritten Platz und hat damit so etwas wie die Bronzemedaille erstrampelt. Ich selbst belegte innerhalb des Teams mit immerhin 163 Kilometern den achten Platz. Wenn ich die Namen der anderen lese, ist das immerhin die „Senioren-Goldmedaille“ im Team. Knapp 2.000 Radelnde haben sich in 235 Teams im Landkreis beteiligt. Stolze 384.279 Kilometer sind dabei rausgekommen, womit die Beteiligten 55 Tonnen CO2 eingespart haben. Wenn ich mir eine Lastwagenkolonne vorstelle, ist das doch ein respektables Ergebnis.

 Tag 61 der Baustelle:

Das vor den Ferien ausgefallene Assembly für die Jahrgänge 7 bis dreizehn wurde heute nachgeholt. Hurtig, hurtig, denn es musste irgendwie in die Kurzstunden passen. Ich hatte mich in der Tagesordnung nach vorne gedrängelt, denn um 9 Uhr hatte sich die Kreisverwaltung zum Haushaltsgespräch angemeldet. Da fiel mein Hauptpunkt „Werbung für die Young Americans“ gerade für die älteren Klassen etwas kürzer aus. Wird schon werden. Das Stadtradeln kippte dann hinten runter, immerhin liegt die Schule in der Kommune Deidesheim mit 2.419 geradelten Kilometer auf Platz drei. Im Durchschnitt sind das 100 Kilometer pro Kopf der 22 Mitradelnden.


Die bisher erschienen Bücher sind erhältlich im: www.littera-verlag.de/Bücher
(Das Autorenhonorar kommt dem Förderverein der IGS zu Gute.)

Letztens 2 Soeben erschienen:
„Letztens 2 - ,
Erlebtes rund um die Schule“
2020

Tagebuch 5
„Schulleiters Tagebuch 5,
Warten auf den Bau“
2017 – 2019

Letztens 1 „Letztens –
Schulleiters Tagebuch ergänzende Kolumnen“

tagebuch_4_ "Schulleiters Tagebuch 4,
Der Weg zum Abitur
2014 - 2017"

Tagebuch 1-3"Deshalb IGS -
Positionen und Hintergründe zur Integrierten Gesamtschule mit Beiträgen aus Schulleiters Tagebuch 1 bis 3"

Tagebuch 3 "Schulleiters Tagebuch 3,
Die ersten Abschlüsse,
2012 - 2014"

Tagebuch 2 "Schulleiters Tagebuch 2,
Der Start in Deidesheim,
2010 - 2012"

Tagebuch 1 "Schulleiters Tagebuch,
Der Start in Wachenheim,
2010 - 2012"