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Medienprojekt Blaudes - Statement Kopftuch

Fotoausstellung

Bin Ich’s? Verkleiden Verhüllen Verbergen

in der Bad Dürkheimer Galerie Alte Turnhalle vom 5.5.2018 bis 13.5.2018

„Das Leben besteht aus Augenblicken, die vergehen!“

Mit diesen Worten erläutert Wolfgang Sautermeister (Künstlerische Leitung Malwerkstatt der Lebenshilfe Bad Dürkheim) die Intention der Fotoausstellung von unseren Schülerinnen der 6. Klasse in Wachenheim (Medienprojekt Blaudes - Statement Kopftuch, medien+bildung.com, Projektleitung Katja Batzler) und von KünstlerInnen der Malwerkstatt, die am 5.5.2018 im Bad Dürkheimer Atelier im Rahmen einer kleinen Vernissage eröffnet wurde.

Bereits seit 20 Jahren wird hier in der Alten Turnhalle gearbeitet und es finden hier verschiedene Ausstellungsprojekte mit behinderten und nichtbehinderten KünstlerInnen statt.

Wolfgang Sauermeister erklärt, dass es in diesem Workshop um das Verkleiden mit verschiedensten Utensilien ging und versucht, den Besuchern die Intension des Projektes näher zu bringen, in dem er ausführt, dass das Thema Verkleiden in der Gesellschaft schon immer eine große Bedeutung hatte, wie beispielsweise in manchen Kulturen, um Geister abzuwehren durch rituelle Feierlichkeiten, zu deren Anlass das Tragen von Masken und das Schmücken des Körpers dazugehört. Auch in der heutigen Mode geht es um das Sich-Zeigen und um das Verhüllen. Was will ich zum Ausdruck bringen, wer will ich sein? Dabei betont Wolfgang Sautermeister: „Wir schauen zurück auf etwas, das war. (…) Denn so wie es war, wird es niemals wieder sein. (…) Wir sind nur für einen Bruchteil von Sekunden so, wie wir es auf dem Foto sehen!“ Auch die Kunst stellt sich, wie sich in den zahlreichen Selbstportraits vieler Künstler wiederspiegelt, oft die Frage: Wer bin ich?

 


Durch die Möglichkeit der Selbstinszenierung mit verschiedenen Utensilien im Rahmen dieses Workshops konnte den Teilnehmern die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ermöglicht werden. Die Fotos wurden aufgenommen von Peter Empl, einem karlsruher Fotograf. Die entstandenen Arbeiten können im Atelier nun in Großformat bewundert werden und überzeugen durch ihren starken Ausdruck und ihre Vielfältigkeit. Perücken, die amerikanische Flagge oder eine Totenkopfmaske wurden benutzt. Die Wandlungsfähigkeit der teilnehmenden KünstlerInnen zeigt deutlich die Aspekte Verkleiden Verhüllen und Verbergen, so dass sich die Besucher vor mancher Inszenierung fragen können: Wer ist’s? 

Katja Batzler, Projektleiterin und Medienpädagogin leitet nach Wolfgang Sautermeisters Ausführungen über zu Blaudes – Statement Kopftuch – Tanzen und Filmen gegen Rassismus und Vergessen. Das ist das Projekt, dass an unserer Schule durchgeführt wurde. Hier mitgewirkt haben auch Nadja Fernandez Gamio, die an diesem Abend nicht dabei sein konnte, und unsere Lehrerin Tonja Hager.

Doch zunächst übergibt sie den fünf Schülerinnen, die an diesem Eröffnungs-Abend gekommen sind, das Wort: „Für mich ist das Kopftuch kein Verkleidungsstück, es hat religiöse Bedeutung“ meint Aleyna Aydin (6d). Auch „Ein Kopftuch macht mich neugierig“ ist zu hören. „Ich fühle mich unwohl mit einem Kopftuch und ich verbinde das Tragen eines Kopftuches auch mit einer Krankheit, zum Beispiel einer Chemotherapie“ sagt Sophie Wagner (6d). Außer Sophie und Aleyna waren auch noch Chelsey Drumm (6d), Florence Rieder (6a) und Anouk Steigner (6a) anwesend und präsentierten stolz ihre Ergebnisse.

Der Grundgedanke des Projektes mit dem Schwerpunkt kulturelle Medienbildung ist, so erklärt Katja Batzler, das Streben einer demokratischen Erziehung zu Toleranz durch digitale und künstlerische Medien. Denn in der heutigen Zeit herrschen viele Vorurteile aufgrund der Herkunft, der Religion oder dem Aussehen von Personen und Diskriminierung wird täglich erlebt von den jungen Menschen. Daher wurde dieses Projekt mit viel Engagement von verschiedenen Seiten und einigen Kosten ins Leben gerufen (Dank an medien+bildung.com, Verband deutscher Sinti und Roma, Leitplanke e.V., Lebenshilfe Bad Dürkheim e.V., IGS Deidesheim-Wachenheim Förderverein, Landkreis Bad Dürkheim, Ministerium für Wissenschaft und Bildung). Als passende Schule wurde schnell unsere IGS Deidesheim-Wachenheim als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage gefunden. Unsere Lehrerin Tonja Hager (u.a. für Ethik), führte dann in gelungener Zusammenarbeit mit Katja Batzler, Nadja Fernandez Gamio und zwölf Schülerinnen der 6 a, 6b, 6c und 6d das Projekt an drei Tagen durch. Die Schülerinnen konnten sich sowohl tänzerisch als auch spielerisch mit dem Kopftuch bzw. der veränderten Identität durch dessen Tragen auseinandersetzen und die Funktion und Wirkung eines solchen Accessoires erfahren. Kann ich mich verstecken hinter einem Kopftuch? Schützt es mich? Verändert es mich? Hindert es mich? Die Mädchen konnten ausprobieren, wie sie sich mit Kopftuch fühlen und zu einer veränderten Wahrnehmung von sich selbst und von anderen gelangen. So entstanden dann zahlreiche ausdrucksstarke Fotos und Selbstportraits, auf denen die Teilnehmerinnen mit dem Kopftuch verhüllt zu sehen sind, verborgen unter dem Tuch, versteckt, ernst. Aber auch mit Leichtigkeit tanzend, das Tuch schwingend und keck darunter hervorschauend sind die Mädchen zu sehen. Die entstandenen Fotografien stellen nicht nur eine künstlerische Bereicherung dar, auch für den Ethik-Unterricht sind interessante Erfahrungen gemacht worden, die sicherlich vertieft werden.

Übrigens: Wieso Blaudes Projekt? „Blau war das Kleid der in Ausschwitz ermordeten Sintezza Margarete Herzstiel. Das Projekt „Blaudes“ erinnert an ihre Geschichte und wurde zur Erinnerung an die in der NS-Zeit ermordeten deutschen Sinti und Roma konzipiert.“


(Quelle: Flyer medien+bildung.com „Schwerpunkt Kulturelle Medienbildung“)